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AG Glaube und Religion in Osteuropa

Am Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin besteht seit Oktober 2011 eine Arbeitsgruppe, die sich mit Spannungsfeldern zwischen Glaube und Religion und aktuellen gesellschaftlichen Realitäten in Osteuropa befasst.

Marx ist tot. Glaube und Religion haben indes Konjunktur und sind im osteuropäischen Raum zu einem zentralen Narrativ avanciert. Sie beeinflussen Staaten, Ökonomien und Gesellschaften, spiegeln Gegenwart und Vergangenheit. Die traditionellen Religionen erleben eine Renaissance. Auch neue Formen von Glauben und Religion verzeichnen Zulauf. Tatsächlich sind in den Ländern Osteuropas in den letzten beiden Dekaden Glaube und Religion zu wesentlichen Faktoren gesellschaftlichen Wandels avanciert. Als identitäts- und politikbildendes Narrativ haben sie einen wesentlichen Anteil an den Rekonfigurationen der Region. Ihre Rolle ist dabei vielseitig und widersprüchlich. Viele konfliktreiche oder gar kriegerische Auseinandersetzungen haben religiöse Konnotationen. Oftmals gehen Nationalismus und Religion eine Symbiose ein. Andererseits kann Religion in der nationalen Identitätsbildung auch integrativ wirken. Im Rückgriff auf religiöse Traditionen erfindet sich nationale Geschichte jenseits der sozialistischen Unifizierungen neu. Zugleich wandelt sich der Begriff des Religiösen in einer globalisierten Gegenwart. Es entstehen säkulare „Übersetzungen“, synkretistische Formen und subsidiäre Funktionen. Wirkungsmächtig prägt religiöses Vorverständnis wissenschaftliche Diskurse und gesellschaftliche Kontroversen. Säkularismus, Geschlechterbeziehungen, Familienmoral, soziales Miteinander, Umgang mit Armut und Reichtum sowie künstlerische Freiheit gehören zu den Social Issues, die im Kontext von Glauben und Religion im Fokus stehen.

 

Ziel des interdisziplinären Projekts ist es, gesellschaftliche Realitäten in Osteuropa zu beleuchten, die im Spannungsverhältnis zu Glauben und Religion stehen. Damit soll ein Beitrag zur Analyse gesellschaftlichen Wandels im postsozialistischen Raum geleistet werden – auch vor dem Hintergrund der weltweiten Trends der Modernisierung und Globalisierung. Die erste Untersuchungsphase bezieht sich auf folgende Spannungsfelder:

 

Der Zugang zum Feld erfolgt interdisziplinär. Nachwuchswissenschaftler/innen aus den fünf Disziplinen Kultur, Politik, Recht, Soziologie und Wirtschaft bringen sich in die AG ein.

 

Die AG führte am 31. Mai/1. Juni 2012 einen ersten interdisziplinären Workshop zum Thema „It’s Religion, Stupid! Glaubenskonjunkturen in Osteuropa heute“ in Berlin durch. Der Workshop bereitete ein Symposium in St. Petersburg vor, das am 20./21. September 2012 stattfindet, für das auch bereits eine Drittmittelfinanzierung eingeworben wurde. (mehr…)

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