Ökonomische Eliten im erweiterten Europa: Rekrutierung, Karrieren und Handlungsorientierungen von Managern

Ökonomische Eliten im erweiterten Europa: Rekrutierung, Karrieren und Handlungsorientierungen von Managern

 

Projektteam: Michael Behr; Katharina Bluhm; Bernd Martens; Ralph Lungwitz und Vera Trappmann
Laufzeit: Juli 2008 bis Juni 2012 (3. Förderphase)

Förderung: DFG, Sonderforschungsbereich 580 „Gesellschaftliche Entwicklungen nach dem Systemumbruch”

Ausgangspunkt des A2-Projektes bildete die These einer doppelten Transformation, bei der die Transformation vom Plan zum Markt in Ostdeutschland von einer Erosion der koordinierten Marktwirtschaft oder des „Rheinischen Kapitalismus” überlagert wird. Untersucht haben wir, inwieweit die Führungskräfte mittelständischer Industrieunternehmen angelsächsische Leitbilder des „Shareholder Value”, die bei den deutschen Großunternehmen inzwischen verbreitet sind, übernehmen, was treibende Kräfte für einen Konzeptwechsel im Management sind, und welche Ost-West-Differenzen sich in der Unternehmensführung perpetuieren. Kernstück des Projektes stellt ein Panel dar, das bisher zwei Wellen aufweist (2002 und 2005) und durch vertiefende, qualitative Interviews vor allem mit Geschäftsführern begleitet wurde.

Als zentrale Ergebnisse der ersten beiden Projektphasen lassen sich festhalten: Trotz geringem Gewicht neuer institutioneller Investoren und geringem direkten Einfluss der Kapitalmärkte hat die Bedeutung renditeorientierter, betriebswirtschaftlicher Instrumentarien und Kriterien für die Unternehmensführung im industriellen Mittelstand zugenommen. Auch wenn der Mittelstand das Shareholder-Value-Konzept als Ideologie der Großen oftmals ablehnt, beeinflusst die betriebswirtschaftliche Professionalisierung und Formalisierung der Unternehmensführung die Definition von Unternehmenszielen. Während hierbei Ost-West-Differenzen kaum eine Rolle spielen, sind sie umso relevanter bei den Akteuren selbst. Die Geschäftsführer ostdeutscher Unternehmen sind immer noch wenngleich mit abnehmender Tendenz überwiegend Ingenieure und setzen in ihrem Führungsverständnis stärker auf die Legitimierung von Entscheidungen gegenüber Mitarbeitern durch herausgehobenes Fachwissen. Unsere Panelanalysen belegen zudem die Stabilität der während der ersten Projektphase gefundenen, gesellschaftspolitischen Orientierungsmuster („Konkurrenzkapitalisten” und „soziale Marktwirtschaftler”, mit einer Dominanz des ersten unter den Ostdeutschen, siehe Graphik). Doch trotz dieser weit verbreiteten, marktaffinen Einstellungen zeichnet ostdeutsche Unternehmensleiter häufig ein Bewusstsein ihrer besonderen Rolle als Akteure im Transformationsprozess aus, das als Verantwortungsgefühl gegenüber der Region, dem Betrieb oder den Beschäftigten geäußert wird.

In der dritten Förderperiode werden die Ergebnisse aus den vorherigen Phasen stärker in den Kontext der international vergleichenden Eliten- und Transformationsforschung gestellt. Dazu weiten wir die Erhebung auf Mittelosteuropa, das heißt auf Polen und Ungarn, aus, und können so Unterschiede und Gemeinsamkeiten der ostdeutschen mit anderen mitteleuropäischen Konstellationen nach Abschluss der Transformation prüfen. Neben klassischen Fragen der Elitenrekrutierung und -karrieren wird neu die Wahrnehmung unternehmerischer Verantwortung untersucht, mit der Wirtschaftseliten ihr Agieren gesellschaftlich legitimieren und ihre Definition von Unternehmenszielen begründen. Damit setzen wir die kapitalismustheoretische Fragestellung des A2-Projektes fort.

In der dritten Phase werden systematisch auch Manager aus Großunternehmen in die Untersuchung einbezogen, um stärker als bisher den Einfluss von Unternehmensgröße und Eigentum auf Rekrutierung, Karrieremuster und Handlungsorientierungen in den Blick zu nehmen. Die bewährten Methoden der Telefonbefragung und qualitativer Leitfadeninterviews werden beibehalten. Das Panel wird mit leichten Modifikationen fortgeführt. Zudem kooperieren wir mit anderen Projekten bei einer geplanten Bevölkerungsbefragung, in der Einschätzungen von Eliten durch die Bevölkerung erhoben werden.

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