Liebe Freundinnen und Freunde des Osteuropa-Instituts,

01.01.2016

das Osteuropa-Institut eröffnete das akademische Jahr 2015/16 mit einer Vielzahl von Initiativen in Lehre, Forschung und Politikbeiträgen. Der Ausbau unserer wissenschaftlichen Kooperation mit führenden russischen Universitäten wie der Higher School of Economics Moskau und der Staatlichen Universität St. Petersburg ist verbunden mit unseren Bemühungen, Vorschläge zu einer europäischen Strategie zu Russland und zu den aktuellen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen in der Ukraine zu erarbeiten. Gleichzeitig erweitern wir unsere Forschungsvorhaben um neue Themen: Identität und russische Außenpolitik, Industrialisierung und soziale Konflikte im Russischen Reich, Liberalismus und Institutionen in Zentralosteuropa, Erinnerung und Zwangsarbeit im zweiten Weltkrieg und Moskau als architektonisch-ästhetisches Gefüge. Unsere Fachabteilungen beteiligen sich am interdisziplinären Dialog an unserem Institut, an der FU Berlin, in Europa und der Welt.

Mit großer Freude haben wir zu Kenntnis genommen, dass Prof. Gertrud Pickhan, die Leiterin des Lehrstuhls für Geschichte am Osteuropainstitut, und ihre Doktorandin Alina Bothe für ihren Kurs zur Deportation polnischer Juden in Berlin mit dem Lehrpreis der Shoah Stiftung der University of Southern California (USC) ausgezeichnet wurden. Das macht das OEI zu einem bedeutenden Ort der Forschung jüdischer Geschichte und des Holocausts in Europa. Das durch Prof. Georg Witte und seinen Lehrstuhl für Literatur und Kultur durchgeführte Projekt Stadt Bild Moskau ermöglichte einmalige und innovative Einblicke in den Umgang mit dem metropolitanen sozialistischen Raum in der Forschung zu vergleichender und russischer Literatur. Die Autumn School mit der Universität Tartu und Universität Helsinki und die Volkswagen Stiftung Summer School haben einen großen Beitrag zur Internationalisierungsstrategie unseres Instituts mit führenden Institutionen in Europa, Russland und den USA geleistet. Besonders die Volkswagen Stiftung Summer School hat unsere entstehende Partnerschaft mit der Higher School of Economics Moskau und anderen bedeutenden Forschungsinstitutionen wie dem DIW Berlin, dem ifo München, der LSE, der Southern Methodist University und der Europäischen Universität St. Petersburg vertieft. Auch die Zukunft der deutsch-russischen Beziehungen bezüglich der Ukraine und der Aufstieg des Konservatismus in Russland und Zentralosteuropa stellen weitere wichtige Forschungsbereiche der Politik- und Sozialwissenschaften dar und bieten sehr interessante Wege zu neuen Forschungsprojekten.

Theocharis Grigoriadis, C.Sc., Ph.D. (Jun-Prof., Volkswirtschaftslehre OEI)

In der heutigen Ausgabe des Newsletters stellen wir Ihnen aktuelle Entwicklungen aus unseren  Fachabteilungen vor. Außerdem ein Bericht von der Autumn School des Politikbereichs sowie einige Ankündigungen von kommenden Veranstaltungen am OEI.

Viel Spaß beim Lesen wünscht das Dekanat des OEI,

Katharina Bluhm, Gertrud Pickhan und Georg Witte

Inhalt

Aktuelles aus dem Institut

Abteilung Geschichte

Abteilung Kultur

Abteilung Politik

Abteilung Soziologie

Abteilung Volkswirtschaft

Berichte

Publikationen

Aktuelles aus dem Institut

Workshop “Gender Equality in Eastern Europe (and beyond) – laws and practices”

Workshop “Gender Equality in Eastern Europe (and beyond) – laws and practices” –

Am 29.Januar 2016 fand im Osteuropa-Institut (OEI) ein interdisziplinärer Workshop mit dem Thema „Gender Equality in Eastern Europe (and beyond) – laws and practices“ statt. Die eingeladenen Gäste betrachteten das Thema Geschlechterungleichheit in Osteuropa aus verschiedenen Perspektiven, bei denen nicht nur soziologische Konzepte und Theorien, sondern auch historische, psychologische, medizinische und juristische Perspektiven auf Geschlechter-Arrangements besprochen wurden. Prof. Catrinel Craciun und Dr. Majda Hrzeniak beschrieben in ihren Vorträgen zwei Dimensionen der Diskriminierung – Geschlechter und Alter, was gut unter dem Begriff „double jeopardy“/ Doppelbestraffung zu verstehen ist.

Dr. Alexander Kondakov präsentierte eine historische Perspektive über die Situation der LGB-Minderheit in der Sovietunion und im modernen Russland, welche am besten mit der Metapher der Unsichtbarkeit beschrieben werden kann.

Die letzten Panelexperten beleuchteten die Rolle der Männer und moderner Männlichkeiten in der Geschlechtergleichberechtigung, wobei beide Experten – Dr. Katarzyna Wojnicka und Dr. Marc Gartner, eine Analyse der hegemonischen Maskulinität als Ausgangspunkt nahmen.

Im zweiten Teil des Workshops präsentierten Studierende des Osteuropa-Instituts und des Otto-Suhr-Instituts der Freien Universität Berlin die Ergebnisse ihrer Forschungen. Hierfür wurden die zwölf Präsentationen auf drei Panels verteilt: Policymaking und Geschlechtergleichstellung; Geschlechterungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt und in der Politik; Geschlechtergewalt, Prostitution und Human Trafficking. Die besten Präsentationen werden im Frühsommer als Arbeitspapiere des Osteuropa-Instituts veröffentlicht.

Diese Veranstaltung wurde von Dr. Justyna Stypinska, der Stellvertreterin der OEI-Frauenbeauftragten, im Rahmen des Frauenförderungsplans des OEI organisiert.

Mehr Informationen finden Sie hier.

Lernwerkstatt des Osteuropa-Instituts 2015/2016

Kaum eine Region hat das Selbstverständnis Europas und seiner Grenzen so herausgefordert wie das Schwarze Meer. Das „ungastliche Meer“ war in der griechischen Antike Inbegriff des Fremden, des am Ende der zivilisierten Welt gelegenen Raums, dessen Küsten von „barbarischen“ Reiternomaden bevölkert waren. In der jüngeren Zeitgeschichte war es ein toter Raum zwischen den westlichen und östlichen Machtblöcken des Kalten Kriegs. Hier verliefen die Grenzen zwischen den Militärblöcken, etwa zwischen dem NATO-Mitglied Türkei und dem sowjetischen Georgien oder dem sozialistischen Rumänien. Als diese Grenzen in den 1990er Jahren durchlässig wurden, entwickelte sich das Schwarze Meer wieder zu einer intensiven Zone kultureller, sozialer und politischer Verbindungen (zum Beispiel zwischen christlich und muslimisch geprägten Kulturen oder mit der Gründung der Organisation of the Black Sea Economic Cooperation), aber auch neuer Nationalismen und Regionalismen. Die Europäische Union hat sich mit ihren neuen Mitgliedstaaten zum Anrainer des Schwarzen Meers gemacht und steht dort in Konkurrenz zur Eurasischen Wirtschaftsunion. Schließlich liegt das  Schwarze Meer heute im geopolitischen Epizentrum neuer kriegerischer Konflikte (man denke nur an die immense Bedeutung der Schwarzmeerküste und der Krim im aktuellen Ukrainekonflikt).

25 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs befindet sich die Region weiterhin im Wandel. Die einzelnen Staaten durchlaufen einen Selbstfindungsprozess zwischen Demokratisierung, möglicher EU-Mitgliedschaft oder einer Abgrenzung zu der gesamteuropäischen Institution und ihren Mitgliedsstaaten. Welche Zugkraft hat ein alternatives Integrationsmodell wie bspw. die Eurasische Union? Wie positionieren sich also die verschiedenen Staaten und warum? Wie sehen sich die Region und ihre Bewohner/innen heute? Was wünschen sie sich für ihre Zukunft, für ein friedliches Zusammenleben? Welchen Handlungsbedarf sehen sie? Wie sollte künftig eine (EU-) Schwarzmeer-Politik aussehen, nicht zuletzt, um aktuelle Konflikte zu lösen und zukünftige zu verhindern? 

In Hinblick auf den Themenschwerpunkt der diesjährigen Lernwerkstatt bildeten sich zu Beginn des Semesters 16 Projektgruppen. Aktuell befinden sich die Gruppen in der Planungs- und Organisationsphase. Die Arbeitstitel der Projekte der Lernwerkstatt des akademischen Jahres 2015/2016 lauten wie folgt:

  1. Active Youkraine
  2. Alltag in Transnistrien erFAHREN
  3. Ausgegrenzt – Entrechtet – Verfolgt. Kurdische Binnenflüchtlinge in Istanbul.
  4. Beyond the Sea: Eine Dichterische Reise um das Schwarze Meer
  5. Das Geheimrezept der Krim
  6. Die Rolle der Kirche in der Ukraine-Krise
  7. Forgotten Kars – Mit Orhan Pamuk auf den Spuren einer vergessenen Stadt
  8. FrauSein über Grenzen hinweg
  9. One Caucasus FM
  10. Polnische Migrationspolitik: Zwischen Gastfreundschaft und Fremdenhass
  11. Sanktionen ein Gesicht geben
  12. #SotschiAufDerLeine
  13. TourOsten in Bulgarien
  14. Von offenen zu geschlossenen Grenzen? – Ungarn für Alle
  15. Wall of Fame – Mural Arts from Poland
  16. Georgiens Weinbrücke nach Europa

Ringvorlesung zum Thema “25 Years after the End of the East-West Conflict - Lessons Learned and New Challenges”

Gemeinsame Ringvorlesung von OEI und JFK im WS 2015/16, Foto: ©OEI

Gemeinsame Ringvorlesung von OEI und JFK im WS 2015/16, Foto: ©OEI

Der Arbeitsbereich Politik organisierte im Wintersemester 2015/2016 gemeinsam mit dem Arbeitsbereich Geschichte des Osteuropa-Instituts und dem John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien (JFKI) eine Ringvorlesung, in welcher über die letzten 25 Jahre seit Ende des Ost-West Konflikts reflektiert wurde. Die aktuelle Krise in der Ukraine und die russische Außenpolitik geben Anlass, dieses Thema unter völlig neuen Gesichtspunkten zu reflektieren. Was hat sich seit Beginn der 1990er Jahre in der Zusammenarbeit zwischen den ehemaligen „Blöcken“ und Kontrahenten geändert? Wie lassen sich der aktuelle Konflikt in der Ukraine und die dramatische Verschlechterung der Beziehungen zwischen Russland und der EU/dem „Westen“ interpretieren? Handelt es sich hierbei um einen „neuen Kalten Krieg“?

Die Ringvorlesung bot den Studierenden des ersten Semesters des Masters Osteuropastudien die Möglichkeit einen Einblick in jede einzelne Disziplin des Osteuropa-Instituts zu erhalten und auch die Sichtweisen der Nordamerika-Studien kennen zu lernen. Neben den Professorinnen und Professoren des Osteuropa-Instituts und des John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien waren auch weitere, teilweise internationale, Gäste eingeladen, um ihre Sichtweise auf das Thema vorzutragen. Die Reihe schloss am 11. Februar 2016 mit dem Beitrag des kanadischen Botschafters a.D. Paul Dubois.

Weitere Informationen

Kontakt

    • Arkadi Miller, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Osteuropa-Institut, Garystr. 55, Raum 111, 14195 Berlin, Telefon: +49 (0)30 838-72646, E-Mail: a.miller@fu-berlin.de
    • Dr. Curd Knüpfer, John F. Kennedy Institut, Lansstr. 5, Raum 210, 14195 Berlin, E-Mail: curd.knuepfer@fu-berlin.de
    • Cosima Glahn, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Osteuropa-Institut, Garystr. 55 Raum 223 14195 Berlin, Telefon: +49 (0)30 838-65314, E-Mail: cglahn@zedat.fu-berlin.de

Econometrics: "Customer Experience Models - Business cases of Russia" von Aleksandra Malova

Aleksandra Malova, Foto: ©Aleksandra Malova

Aleksandra Malova, Foto: ©Aleksandra Malova

Die Abteilung Wirtschaft des Osteuropa-Instituts bot im Zeitraum vom 8. Januar 2016 bis zum 12. Februar 2016 einen Blockkurs zum Thema  "Econometrics: Customer Experience Models- Business cases of Russia" an.

Das Lehrangebot kann Dank der im Wintersemester 2015/2016 eingeleiteten und vom DAAD geförderten internationalen Studien- und Ausbildungspartnerschaft mit der Staatlichen Universität Sankt Petersburg stattfinden. Aleksandra Malova, Gastdozentin aus der Staatlichen Universität Sankt Petersburg, leitete den Kurs, der Studierende mit spezifischen Methodologien der Ökonometrie vertraut machte. Die Studierenden analisierten mikorökonomische Daten, modellierten spezifische Kundenverhaltensmuster, systematisierten quantitative und qualitative Daten und erhielten wertvolle Einblicke in praktische Ansätze und Tricks auf dem Gebiet der Datenanalyse. Sämtliche Fälle und Beispiele basierten auf Daten aus der russischen Wirtschaft.

Der Kurs ist Teil des Masterstudiengangs Osteuropastudien.

Weitere Informationen

Kursinhalte

Abteilung Geschichte

Forschungs-und Publikationsprojekt zur Geschichte der Juden in der Sowjetunion

„A Comprehensive History of the Jews in the Soviet Union“ ist ein neues großangelegtes internationales Projekt unter der Leitung von Gennady Estraikh und David Engel (New York University), an dem sich die Abteilung Geschichte beteiligt. In sieben Bänden soll ein Überblick zur sowjetisch-jüdischen Geschichte entstehen. In diesem Rahmen fand in Berlin am 26. und 27. Oktober 2015 ein Workshop mit Archivar_innen aus verschiedenen Ländern der ehemaligen Sowjetunion statt, die über die jeweilige Archivsituation und Quellen zur sowjetisch-jüdischen Geschichte berichteten.

Forschungscolloquium

Renommierte Historiker_innen aus dem In- und Ausland stellen im aktuellen Wintersemester 2015/16 ihre neuesten Forschungsergebnisse im Forschungscolloquium der Abteilung Geschichte vor. Der Schwerpunkt liegt auf der Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts und deckt weitere räumliche und thematische Bereiche der osteuropäischen Geschichte ab. Das Programm finden Sie hier.

Lehrpreis der USC Shoah Foundation für Prof. Pickhan und Alina Bothe

USC Shoah Foundation

USC Shoah Foundation

Während der sogenannten „Polenaktion“ im Oktober 1938 wurden zwischen 1.500 und 6.000 Menschen polnisch-jüdischer Herkunft aus Berlin an die polnische Grenze deportiert und in Polen in der damaligen Grenzstadt Zbąszyń interniert. Über die Lebenswege der Berliner Deportierten ist bislang wenig bekannt. Prof. Dr. Pickhan und ihre Doktorandin Alina Bothe widmeten sich im Wintersemester 2014/2015 diesem wissenschaftlichen ‚Neuland‘ in einem Seminar unter dem Titel: „Ausgewiesen! 1938 aus Berlin deportierte Jüdinnen und Juden. Eine Spurensuche“. Dabei erforschten Studierende die Geschichte der damals ausgewiesenen Berliner Familien. Neben Archivarbeiten verwendeten die Studierenden Interviews des Visual History Archives für ihre Spurensuche oder nahmen selbst Kontakt mit den Überlebenden auf. Zum Abschluss des Seminars reisten beide Lehrende mit der Studiengruppe nach Zbąszyń. Für diesen Kurs erhielten Prof. Dr. Gertrud Pickhan und Alina Bothe den Lehrpreis der USC Shoah Foundation. Im Wintersemester findet nun unter dem Titel „Die Ausweisung polnischer Jüdinnen und Juden aus Berlin 1938. Erfahrungsgeschichte, Archivrecherche und Sichtbarmachung“ eine Fortsetzung des Seminars statt. Gemeinsam mit den Studierenden bereiten die Preisträgerinnen dabei eine Ausstellung zum Thema vor, deren Eröffnung für Oktober 2017 geplant ist.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Studierende aus Stawropol am OEI

Universität Stawropol

Universität Stawropol

In Stawropol, Nordkaukasus, forderte Dr. Tatjana Kozhemyako ihre Studierenden heraus. Letztere behaupteten, ein Auslandsstudium sei für sie selbst wohl ausgeschlossen. Doch Frau Kozhemyako war nicht davon abzubringen, sie vom Gegenteil zu überzeugen und ihnen ihre Möglichkeiten aufzuzeigen. Im Oktober 2014 organisierte sie eine DAAD-geförderte Studienreise zu verschiedenen Universitäten Deutschlands. In diesem Kontext besuchten die Studierenden aus Stawropol das Osteuropa-Institut. Die Mitarbeiter_innen der Abteilung Geschichte informierten sie über Studienablauf und -organisation, über unterschiedliche Lehrformen und konnten sie im Besonderen für unsere Lernwerkstatt begeistern.

Konferenz: After Memory. Conflicting Claims to World War II in Contemporary Eastern European Literatures

Vom 6.-8. November 2015 fand im Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin (ZfL) die vom ZfL gemeinsam mit dem Osteuropa-Institut und der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien und Lehrbeauftragte am Institut für Slavistik der LMU München veranstaltete Konferenz After Memory. Conflicting Claims to World War II in Contemporary Eastern European Literatures statt. Matthias Schwartz (ZfL), Nina Weller (LMU) und Heike Winkel (OEI) konzipierten die Tagung, die den siebzigsten Jahrestag des Kriegsendes zum Anlass nahm, Kriegsdarstellungen in osteuropäischen Gegenwartsliteraturen zu untersuchen. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass die Formen der Erinnerung an den 2. Weltkrieg sich in den letzten Jahren grundlegend gewandelt haben. In der gegenwärtigen „post-memorialen“ Situation (Marianne Hirsch) wird Erinnerung nicht mehr primär durch historische Zeitzeugen gestiftet, mittelbare Erinnerungsstrategien gewinnen zunehmend an Bedeutung. Dieses „Reinventing“ der Vergangenheit bringt neue ästhetische Formen zur Aktualisierung der historischen Ereignisse hervor.

In den Ländern Osteuropas hat diese Entwicklung eine besonders intensive Dynamik. Das zeigen allein schon die erheblichen Kontroversen um eine autoritative Erinnerung an den 2. Weltkrieg, die in den letzten Jahren geführt wurden und sich zum Jubiläum zugespitzt haben. Seit dem Zerfall der Sowjetunion sind ehemals hegemoniale Erinnerungsnarrative in der Region nicht mehr alternativlos. Lange verdrängte oder verbotene Erinnerungen und Vergangenheiten kommen nun zum Vorschein. Diese Pluralisierung des Gedächtnisses hat Konfliktpotential, kann aber auch befreiende Effekte haben.

Der Literatur kommt unter solchen Bedingungen eine besonders komplexe Rolle zu. Sie liefert nicht nur eindimensionale Abbildungen kulturpolitischer Realitäten, sondern vielschichtige Auseinandersetzungen mit der Vergangenheit. Die Beiträge einer internationalen Forschergruppe werden unterschiedlichste literarischen Aneignungen des Themas theoretisch und in exemplarischen Fallstudien in einer komparatistischen Perspektive diskutieren.

Tagungsprogramm und weitere Informationen zur Tagung finden Sie hier.

Jüdisches Leben in Polen heute - Exkursion nach Warschau

Museum of the History of Polish Jews, Warsaw,  Foto: ©www.polin.pl

Museum of the History of Polish Jews, Warsaw, Foto: ©www.polin.pl

Sie polarisierte und faszinierte – die im November 2014 eröffnete Dauerausstellung des Museum der Geschichte der polnischen Juden in Warschau. In der heutigen Auseinandersetzung mit der jüdischen Vergangenheit in Polen ist dies ein Meilenstein. Im Sommersemester 2015 beschäftigten sich die Studierenden der Abteilung Geschichte in einem Seminar unter der Leitung von Agnieszka Wierzcholska mit dem „Jüdischen Leben in Polen nach 1945“. Im Anschluss an das Seminar reisten die Studierende nach Warschau, um die Dauerausstellung , deren Eröffnung international verfolgt, rezensiert und kritisiert wurde, selbst zu erkunden und mit der Hauptkuratorin Barbara Kirshenblatt-Gimblett zu diskutieren. Des Weiteren trafen die Studierenden wichtige Akteure des heutigen jüdischen Lebens wie den Publizisten und Aktivisten Konstanty Gebert und besuchten das Jüdische Historische Institut. So bekamen die Studierenden auf der Exkursion einen lebendigen Eindruck von historischen Kontroversen und den wichtigsten Institutionen.

Einen ausführlichen Exkursionsbericht gibt es hier.

Abteilung Kultur

Energie: Transgressionen eines Begriffs

Abb. auf Veranstaltungskarte: Farbsystematik aus Wilhelm Ostwald «Die Farbenfibel»

Abb. auf Veranstaltungskarte: Farbsystematik aus Wilhelm Ostwald «Die Farbenfibel»

Im September (17./18.9.) lud der Arbeitsbereich Kultur des Osteuropa-Instituts gemeinsam mit dem Exzellenzcluster „Grundlagen kultureller Integration“ der Universität Konstanz Kulturwissenschaftler, Philologen, Wissenschaftshistoriker und Kunsthistoriker zu einem internationalen Workshop in Wilhelm Ostwalds „Landhaus Energie“ bei Leipzig ein, um das transdiskursive Potential des Energiebegriffs auszuloten. Kaum ein Diskurs der Gegenwart verzichtet auf Begriffsbildungen aus dem Bereich der Energielehren, von medialer Erhitzung, performativen Intensitäten und libidinöser Triebenergie ist ebenso die Rede wie von spirituellen Kraftströmen und semantischen Entropien. Aus metaphysischen, naturwissenschaftlichen und technologischen Wissensfeldern ist der Energiebegriff in angrenzende, aber auch entfernte Disziplinen wie Psychoanalyse, Soziologie, Ästhetik oder Linguistik diffundiert. Der Workshop untersuchte dieses transdisziplinäre Mäandern des Energiebegriffs aus drei Perspektiven: Woraus speist sich die starke diskursive Adaptabilität des Energiebegriffs? Für welche Phänomenbereiche wird „Energie“ als Konzept herangezogen? Und wie lässt sich die begriffsgeschichtliche Variabilität der Energie, ihre breite Auffächerung in energetische Bildfelder nachzeichnen?

Konzeption und weitere Information: Dr. Susanne Strätling (susastra@zedat.fu-berlin.de) und Prof. Dr. Jurij Murašov (jurij.murašov@uni-konstanz.de)

Filmreihe: Politik des Rhythmus: Das Kino der ukrainischen Avantgarde

Vom 1.7. bis 10.7. 2015 fand im Kinotheater Arsenal (Freunde der deutschen Kinemathek) die von Elena Vogman und Georg Witte in Zusammenarbeit mit Stanislav Menzelevskyj (Nationales Oleksandr Dovzhenko Zentrum in Kiew) kuratierte Filmreihe „Politik des Rhythmus“ statt. Die Veranstaltung wurde vom Osteuropainstitut unterstützt. Die Reihe zeigte sowjetische Revolutionsfilme, die in der Ukrainischen SSR entstanden sind – produziert durch die Filmstudios der VUFKU (Allukrainische Foto und Filmverwaltung). Sie wurden in den letzten Jahren durch das Dovzhenko-Zentrum restauriert, neu vertont und ediert. Ziel der Retrospektive war es, das Verhältnis des Politischen und des Ästhetischen neu zu reflektieren. Die Filme wurden nicht als Klassiker des Agitprop vorgestellt, sondern als ästhetische Manifeste, die einen Blick nicht nur für Fahnen, sondern für einzigartige Gesichter, nicht nur für Fäuste, sondern für bewegte Körper und Gesten, nicht nur für die Ausbeutung von Naturressourcen, sondern für deren Fakturen und Texturen lehren. Im Zentrum der Reihe stand die Frage, wie der Rhythmus des Films und der Rhythmus der Revolution interagieren und neue Wahrnehmungs- und Handlungsräume erschließen: von den neuen Routinen der industrialisierten Arbeit bis zu den dynamischen Transformationen von Stadt und Land. Drei der Filme wurden live von dem Violinisten und Komponisten Chatschatur Kanajan begleitet. Alle Filme wurden, was ihre Entstehens- und Wirkungskontexte und ihren filmästhetische Strukturen betrifft, ausführlich kommentiert. Die Einführungen erfolgten durch Barbara Wurm, Stanislav Menzelevskyj, Elena Vogman und Georg Witte.

Das Programm enthielt folgende Filme: NAWESNI (Im Frühling, Michail Kaufman, USSR 1929), ODINNADCATYJ (Das elfte Jahr, Dziga Vertov, USSR 1928), PEREKOP (Perekop, Ivan Kavaleridze, USSR 1930), CHLEB (Brot, Mykola Špilovskij, USSR 1929), DVA DNI (Zwei Tage, Heorhij Stabovyj, USSR 1927, ENTUSIASM. SIMFONIJA DONBASSA (Enthusiasmus. Donbass-Symphonie, Dziga Vertov, USSR 1930), SCHTURMOVI NOTSCHI (Sturmnächte, Ivan Kavaleridze, USSR 1931), TSCHELOWJEK S KINOAPPARATOM (Der Mann mit der Kamera, Dziga Vertov, USSR, 1929), ARSENAL (Arsenal, Oleksandr Dovzhenko, USSR, 1929). Außerdem wurden zahlreiche Trailer und Animationsfilme der 1920er Jahre gezeigt.

Weiter Informationen finden Sie hier.

„Stadt Bild Moskau“ . Eine Reihe mit Vorträgen, Filmen und Gesprächen

Stadt Bild Moskau, Foto: ©OEI

Stadt Bild Moskau, Foto: ©OEI

Flankierend zum Seminar „Stadtkultur Moskau“ und zur Exkursion nach Moskau fand als weiteres Element des Semesterschwerpunkts eine Vortrags-, Film und Gesprächsreihe statt, in der die Verflechtung von architektonischer Gestaltung, städtischen Lebensformen und visueller Kultur im Topos Moskau rekonstruiert wurden. Im Rahmen der Reihe sprach der Architekturhistoriker Harald Bodenschatz über visuelle Repräsentationen des Moskauer Generalplans von 1935, der Architekt Philip Meuser zeichnete die Entwicklung des Plattenbaus als Wohnungsbaudominante nach, die Historikerin Monica Rüthers wies an Archivbildstrecken fotografische Inszenierungsstereotypen von Moskauer PlattenbaubewohnerInnen nach, der Musikwissenschaftler Levon Hakopian diskutierte Šostakovičs Plattenbauoperette „Čeremuški“ als musikalische Idylle, die Kunsthistorikerin Susan Reid zergliederte den Moskauer Pionierpalast als exemplarischen Fall einer architektonischen Nachkriegsmoderne, die Filmwissenschaftlerin Oksana Bulgakowa führte die Veränderungen der Moskauer Topographie im Film vom Tauwetter bis in die Gegenwart vor und die Regisseurin Christiane Büchner diskutierte mit dem Publikum ihren Dokumentarfilm über „Das Haus der Regierung“ an der Moskva.

Konzeption: Dr. Thomas Flierl (mail@flierl.de), Dr. Susanne Strätling (susastra@zedat.fu-berln.de), Prof. Dr. Georg Witte (witte@zedat.fu-berlin.de)

Weiter Informationen finden Sie hier.

Abteilung Politik

Alumni Workshop des Center for Global Politics (CGP)

Im September 2015 fand der achte Alumni-Workshop des Center for Global Politics auf der größten Insel Estlands statt. Auf Saaremaa verbrachten engagierte Mitglieder des Alumni-Netzwerks eine intellektuelle Woche. Im Mittelpunkt standen die strategische Entwicklung des Netzwerks, die Intensivierung bereits bestehender Aktivitäten und die Suche nach neuen Wegen für eine nachhaltige Alumniarbeit. Im akademischen Teil des Workshops stand das Thema „The Return of Violence to Europe“ im Mittelpunkt. Das Programm bestand sowohl Panel Discussions, bei denen Prof. Dr. Segbers, Director des Center for Global Politics, mit Gästen zu verschiedenen Themen diskutierte, als auch aus interaktiven Working Sessions, die von Alumni für Alumni abgehalten wurden. Durch Exkursionen zu verschiedenen historischen Stätten auf Saaremaa lernten die Teilnehmer des Workshops die Geschichte und die Kultur der Insel kennen.

Projektworkshop am 02. Oktober 2015 an der Freien Universität Berlin

Am 02. Oktober 2015 fand ein Workshop zum Thema „Regions, Boundaries, and the Russia - EU Disconnections“ statt, welcher insbesondere von Prof. Dr. Andrey Makarychev von der Universität Tartu konzeptualisiert und organisiert wurde. Bei dem Workshop wurden u.a. die Zusammenarbeit zwischen der EU und Russland besprochen sowie die Europäische Nachbarschaftspolitik und ihre Implikationen. Ein weiterer regionaler Schwerpunkt lag auf den baltischen Staaten und der Kaukasusregion.

Im Rahmen des Workshops wurden auch erste Ergebnisse eines Projekts zwischen der Universität St. Petersburg und dem Arbeitsbereich Politik des Osteuropa-Instituts vorgestellt. Das Projekt wird von beiden Universitäten für die Laufzeit von einem Jahr finanziert. Ziel des Projekts ist es, die Beziehungen zwischen Russland und Deutschland / der EU im Rahmen des Konflikts im östlichen Landesteil der Ukraine zu analysieren und einen Blick in die Zukunft zu wagen. Hierbei sollen mögliche Kooperationsszenarien durchdacht und zukünftige Felder der Kooperation identifiziert werden.

Konferenz „Russia – Identity and Foreign Policy“

Am 16. und 17. April 2015 fand an der Westböhmischen Universität Pilsen eine Konferenz zum Themenbereich Russlands Außenpolitik und Identität statt. Vom Osteuropa-Institut der FU Berlin war Dominik Sonnleitner vertreten, der einen Vortrag über Russlands Außenpolitik im Kaukasus hielt. Die Konferenz, die jährlich vom Lehrstuhl für Politologie der Universität Pilsen organisiert wird, war sehr gut besucht. Forscher aus Deutschland, Russland, Tschechien, Polen, Finnland und Großbritannien stellten ihre Arbeiten vor und nutzten die Gelegenheit, über ihre Ergebnisse und Fortschritte zu diskutieren. Besonders zu erwähnen waren die Key Note Speaker Olga Malinova, von der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau sowie Romancov, von der Prager Karlsuniversität. Die Vorträge befassten sich mit Themen wie „Greatness, uniqueness and victory: key for understanding Russia and source of its eternal problem?” sowie “The Ukrainian crisis and discourse about the Russian identity: Continuity and Change”. Des Weiteren gab es fünf Diskussionsrunden, in denen die Teilnehmer ihre Ideen vorstellen und sich austauschen konnten. Die Ergebnisse der Konferenz sind in einer Sonderausgabe des Magazins „Politics in Central Europe“ zu sehen.

Programm „German Studies Russia“ des Center for Global Politics (CGP)

(c) german-studies.org

(c) german-studies.org

Seit inzwischen über 10 Jahren existiert die Kooperation zwischen dem Osteuropa-Institut und dem Moskauer Staatlichen Institut für Internationale Beziehungen (MGIMO). Das Programm German Studies Russia hat inzwischen über 120 Absolventen hervorgebracht und ist weiterhin auf Erfolgskurs: German Studies Russia (GSR) ist ein deutschsprachiges, interdisziplinäres Zertifikatsstudienprogramm für Bachelor-Studierende des MGIMO. Es ermöglicht den Studierenden in einem zweisemestrigen Studienkurs Deutschland und die Europäische Union aus den Perspektiven Politik, Wirtschaft, Recht und Medien kennen zu lernen.

Die Herausforderungen von GSR haben in diesem Jahr 18 Studierende erfolgreich gemeistert. Diese Zahl steht im Trend der vergangen Jahre und verdeutlicht die gleichbleibende Beliebtheit des Programms sowie das andauernde Interesse der Studierenden an Deutschland und der EU.  Im vergangenen Frühjahr bewarben sich wieder 50 neue Studierende um einen Platz. Um dieses Interesse zu fördern und die Brücke zwischen Russland und Deutschland weiterhin ausbauen zu können, erhielten im Jahr 2015 auch wieder fünf Studierende ein Stipendium, welches es ihnen erlaubt, ein Semester an der Freien Universität Berlin zu verbringen. Weitere Informationen über das Programm, Bewerbungsvoraussetzungen und Studienverlauf finden sie hier.

Autumn School „Security in Europe – with or without Russia?“ vom 28.09. bis 04.10.2015 in Berlin

Dieses Jahr fand zum vierten Mal eine internationale Autumn School statt, welche gemeinsam von der Universität Tartu, der Universität Helsinki und dem Osteuropa-Institut der FU Berlin organisiert wird. Turnusgemäß war dieses Jahr die FU Berlin die ausrichtende Hochschule. 21 Studierende der drei Universitäten konnten im Rahmen der School das Thema Sicherheit in Europa diskutieren und dabei insbesondere auf das außenpolitische Verhalten Russlands eingehen. Innerhalb der einwöchigen School hatten die Studierenden neben dem akademischen Programm von täglich ca. zwei bis vier Seminarsitzungen und Vorlesungen auch die Möglichkeit mit Personen aus der politischen Praxis zu diskutieren.

Masterstudiengang "East European Studies Online" - Wiederaufnahme im aktuellen Wintersemester 2015/16

Nach einer zweijährigen Pause wird der Fernstudiengang "East European Studies Online"  des Center for Global Politics seit dem jetzigen Wintersemester 2015/16 wieder angeboten. Der zwei Jahre dauernde Masterstudiengang (bei Vollzeitstudium) bietet aus verschiedenen Perspektiven und Sichtweisen einen Einblick in die Regionen Osteuropas und behandelt u.a. aktuelle Geschehnisse und Herausforderungen. Die Studierenden studieren hauptsächlich über das online Lernmanagementsystem Blackboard. Viermal kommen sie für jeweils eine Woche zu einer Präsenzphase in Berlin zusammen. Dieses Blended-Learning Konzept hat sich bisher ausgezeichnet bewährt. Die Vereinbarkeit des Studiums mit Berufstätigkeit und /oder Familienpflichten wird so erleichtert. Wir sind gespannt auf unseren neuen Jahrgang, weitere Informationen über den Studiengang finden sie auch hier auf der Homepage.

Abteilung Soziologie

Hungary: From a Voting Booth Revolution to an Illiberal State? Political, Social and Economic Developments since 2010

Am 27. Januar 2015 organisierten die Abteilung Soziologie des OEI und das Institut für Soziologie der Freien Universität eine Podiumsdiskussion zu den wichtigsten Entwicklungen nach der Entstehung der „Zwei-Drittel-Mehrheit“ um Viktor Orbáns Partei Fidesz durch die Wahlen 2010 in Ungarn. An der Podiumsdisskussion beteiligten sich Dorothee Bohle (Central European University, Budapest), György Lengyel (Corvinus Universität Budapest) und Péter Róbert (Ungarische Akademie der Wissenschaften). Weiter Informationen finden Sie hier.

Formality vs Informality Interaction: Reflection in Institutions and Practices

Zwischen dem 07. und dem 10. April 2015 organisierte die Abteilung Soziologie zusammen mit der Moskauer Higher School of Economics (HSE) ein Seminar für DoktorandInnen im Rahmen der 16. Konferenz der HSE zu wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung. Ziel des Seminars war es, für eine bessere Vernetzung der russländischen DoktorandInnen zu sorgen und das Studium des Themas Formalität und Informalität in Bezug auf Russland zu stärken. Am Seminar nahmen neun DoktorandInnen teil. Weitere Informationen finden Sie hier.

Abteilung Volkswirtschaft

Volkswagen Summer School: Governance, Markets and Institutions: Russia and Germany Compared

Foto: ©OEI

Foto: ©OEI

Im Zeitraum vom 27. September 2015 bis zum 10. Oktober 2015 organisierte das Osteuropa-Institut unter der Federführung der Abteilung Wirtschaft und mit Beteiligung der Hertie School of Governance Berlin, des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW Berlin) sowie der Higher School of Economics Moscow (HSE Moscow), der European University zu Sankt Petersburg und der Staatlichen Universität Sankt Petersburg (SPbSU) eine Summer School zum Thema Governance, Markets and Institution: Russia and Germany Compared.

Im Rahmen der Summer School brachte das Institut 20 Doktoranden und Post-Doktoranden der Disziplinen Soziologie, Politikwissenschaft, Volkswirtschaftslehre, Sozialanthropologie, Rechtswissenschaft sowie Geschichtswissenschaft und Geografie zusammen, um den Aufbau eines Forschungs- und Expertennetzwerks mit Blick auf die komparative deutsch-russische Forschung anzuregen. Relevante Forschungsfragen untersuchten dabei die verschiedenen Formen unternehmerischer Sozialverantwortung in Russland und Deutschland, die Rolle von Kultur bei der wirtschaftlichen Entwicklung, die Arbeitsstandards und die Schattenwirtschaft sowie den vergleichenden Föderalismus. Darüber hinaus führten und begleiteten Professorinnen und Professoren renommierter deutscher und russischer Universitäten eine Diskussion über innovative, qualitative und quantitative Forschungsmethoden, die die kausale Inferenz in den Sozialwissenschaften, Feld- und Laborexperimente sowie Beiträge zu qualitativen und gemischten Forschungsmethoden beinhaltete. Besuche bei renommierten Berliner Forschungsinstitutionen, wie etwa dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sowie der Hertie School of Governance unterstrichen zudem die Vorteile der Region Berlin-Brandenburg für die fortgeschrittene Forschung der Sozialwissenschaften. Abschließend vermittelten Kulturveranstaltungen den ausländischen Teilnehmern einen weitreichenden Einblick in die alltägliche Perspektive der deutschen Geschichte und Gesellschaft.

Siehe auch: Weitere Informationen und das Programm.

Internationale Studien- und Ausbildungspartnerschaft (ISAP), DAAD

Foto: ©OEI

Foto: ©OEI

Beginnend mit dem Wintersemester 2015/16 fördert der DAAD die Abteilung Wirtschaft des Osteuropa-Instituts beim Aufbau einer internationalen Studien- und Ausbildungspartnerschaft mit der Staatlichen Universität Sankt Petersburg. Im Rahmen des ISAP Programms werden zunächst für zwei Jahre jeweils 5 Studierende der Freien Universität Berlin ein Auslandssemester an der Staatlichen Universität Sankt Petersburg absolvieren. Im Gegenzug werden im selben Zeitraum 5 Studenten der Staatlichen Universität Sankt Petersburg ein Auslandssemester an der Freien Universität Berlin absolvieren. Ebenso erhalten im Rahmen des ISAP Programms Dozenten beider Universitäten die Möglichkeit, an der jeweiligen Partneruniversität zu unterrichten. So werden nun im Wintersemester 2015/16 zwei Blockseminare der Abteilung Wirtschaft von russischen Dozenten angeboten.

Mit dem Aufbau der Studien- und Ausbildungspartnerschaft unterstützt die Abteilung die Weiterentwicklung der strategischen Partnerschaft zwischen der Freien Universität Berlin und der Staatlichen Universität Sankt Petersburg.

Transition Economics: Social Protection Systems in Post-Soviet Regions

Zhanna Pisarenko, Foto: ©Zhanna Pisarenko

Zhanna Pisarenko, Foto: ©Zhanna Pisarenko

Die Abteilung Wirtschaft des Osteuropa-Instituts organisierte im Zeitraum vom 29. Oktober 2015 bis zum 16. November 2015 einen Blockkurs zum Thema  "Transition Economics - Social Protection Systems in Post-Soviet Regions".

Das Lehrangebot konnte Dank der im Wintersemester 2015/2016 eingeleiteten und vom DAAD geförderten internationalen Studien- und Ausbildungspartnerschaft mit der Staatlichen Universität Sankt Petersburg stattfinden. Zhanna Pisarenko, Gastdozentin aus der Staatlichen Universität Sankt Petersburg, leitete den Kurs, der sich mit den Entwicklungen und Reformen der Sozialsysteme (Sozialversicherungen und Sozialleistungen) im postsowjetischen Transformationprozess auseinandersetzte. Der Fokus lag hierbei auf den Regionen Russland, Kasachstan und Weißrussland.

In insgesamt sieben Sitzungen befassten sich die Studierenden unter anderem mit den Grundlagen und Modellen regionaler Sozialversicherungsysteme, den Auswirkungen verschiedener Reformen sowie mit aktuellen Entwicklungen.

Der Kurs war Teil des Masterstudiengangs Osteuropastudien.

Weiter Informationen finden Sie hier.

Berichte

„Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg“ - Summer School der Higher School of Economics

Higher School of Economics, Moscow

Higher School of Economics, Moscow

Dem Thema Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg widmete sich eine gemeinsam mit Prof. Dr. Oleg Budnitskii (HSE Moscow) organisierte Summer School am OEI. Vom 30.9. bis 7.10.2015 standen neben Vorträgen von Mitarbeiter_innen des Osteuropa-Instituts Diskussionen russischer und deutscher Studierender sowie Besuche von Erinnerungsorten zur Zwangsarbeit in Berlin auf dem Plan. 

Einen Bericht zur Summer School finden Sie hier.

Weiter Informationen zum Angebot der Summer Schools am OEI finden Sie hier.

Osteuropa "entprovinzialisieren" - Exkursion im Rahmen der Lernwerkstatt

Greifswald, Foto: ©Helena Günter

Greifswald, Foto: ©Helena Günter

Die populären Bilder von Osteuropa sind die ländlicher Regionen, unberührter Natur und (relativer) Rückständigkeit. Die Forschung zu Osteuropa hat dagegen lange Zeit die osteuropäischen Metropolen in den Mittelpunkt ihrer Analysen gestellt. Um über den Konstruktionscharakter dieser Vorstellungen zu reflektieren und die unterschiedlichen Regionen Ostmittel- und Osteuropas kennenzulernen, bot die interdisziplinäre Lernwerkstatt allen Studienanfänger_innen am OEI ein Forum unter dem Titel „Provinzen in Osteuropa – Osteuropa als Provinz“. Im Rahmen der Vorbereitung auf die Gruppenarbeit reisten Teilnehmer_innen des Kurses nach Greifswald. Dort trafen sie sich mit Dr. Marek Fiałek, dem verantwortlichen Organisator des Kulturfestivals „polenmARkt“ sowie mit Niels Gatzke, der unter dem Dach der RAA-MV zahlreiche deutsch-polnische Projekte in der Grenzregion organisiert. 

Weitere Informationen finden Sie hier.

Exkursion "Stadtkultur Moskau"

Während einer zehntägigen Exkursion im Juni 2015 untersuchten 16 Studierende des Osteuropa-Instituts unter Leitung von Prof. Dr. Georg Witte und Dr. Susanne Strätling unter Begleitung des Architekturhistorikers Dr. Thomas Flierl historische und aktuelle stadtplanerische Entwicklungen Moskaus. Vorbereitet durch das Seminar „Stadtkultur Moskau“ spürte die Gruppe den oft gewaltsamen Umgestaltung einer Stadt nach, die heute als eine der spannungsreichsten Metropolen Europas gilt.

Im Mittelpunkt der Exkursion stand die konkrete Analyse von Bauten und Baukomplexen unterschiedlicher Funktionsbereiche. Neben einer ersten Erschließung der historischen Stadtstruktur und ihren generalplanerischen Umgestaltungen im 20. und 21. Jahrhundert ging es um Konzepte des Wohnungsbaus (Kommunewohnhäuser, das Regierungswohnhaus an der Uferstraße, prototypische Plattenbausiedlungen wie Čertanovo und Čeremuški, Studentenwohnheime, Stalinistische Hochhäuser), um die Struktur avantgardistischen und postsozialistischen Kulturzentren (ZIL-Kulturpalast, Dom Rusakova, Vinzavod, Garaž, Artplay), um die Umgestaltung von Platz- und Parkanlagen (Gor’ki-Park, Sperlingsberge), um die Architektur von staatlichen und städtischen Funktionsbauten (Ministerien) und um die Neugestaltung von Stadtvierteln (z.B. Arbat).

Immer wieder trat in den Objektbegehungen das schwierige Verhältnis von konstruktivistischem Erbe (z.B. Ginzburgs Narkomfin-Kommunehaus oder Corbusiers Centrosojuz-Gebäude) und aktuellen Rekonstruktionsprojekten in den Blick.

Vorgestellt wurden die Objekte sowohl durch die Studierenden wie auch durch Moskauer ArchitekturhistorikerInnen. Ein gemeinsames Seminar zur aktuellen stadtkulturellen Entwicklung mit dem Kulturwissenschaftler Prof. Vitalij Kurennoj von der Moskauer Higher School of Economics und Prof. Ruslan Chestanov, dem Direktor des Moskauer Instituts für soziokulturelle Planung, bot die Möglichkeit zur Diskussion konzeptioneller Fragen der Stadtplanung. Auf einem Besuch der Moskauer Architekturmesse „ArchMoskva“ hatten wir Gelegenheit zum Gespräch mit der Stellvertreterin des Leitenden Stadtarchitekten Moskaus, Sergej Kuznecov.

Die Ergebnisse der Spurensuche sind auf einem Exkursionsblog nachzulesen

Exkursionsleitung: Dr. Thomas Flierl, Dr. Susanne Strätling. Prof. Dr. Georg Witte

Lernwerkstatt des Osteuropa-Instituts 2014/2015

In Rahmen der Lernwerkstatt des akademischen Jahres 2014/2015 mit dem Themenschwerpunkt „Provinzen in Osteuropa –Osteuropa als Provinz?“ bildeten Studierende des Osteuropa-Instituts zwölf Arbeitsgruppen, um aus eigenen Ideen Projekte zu gestalten. Die weite regionale Streuung sowie die Themenvielfalt verdeutlichten das Anliegen der Projekte, Regionen und Gruppen abseits des metropolenzentrierten Forschungs-Mainstream zu behandeln. Die Gruppen unternahmen Exkursionen in die folgenden Regionen: Aserbaidschan/Armenien/Berg-Karabach, Bosnien und Herzegowina/Serbien, Georgien, Rumänien, Russland, Tschechien, Ukraine und Ungarn waren die Ziele im letzten Jahr. Während dieser Exkursionen sammelten die Gruppen Datenmaterial, welches sie zum einen als Grundlage für einen wissenschaftlichen Abschlussbericht nutzten und zum anderen in ihren „Endprodukten“ kreativ verarbeiteten. So entstanden Ausstellungen, Blogs, Broschüren, Filme, Podiumsdiskussionen, Austauschprogramme, Workshops sowie ein Konzert. 

Die Projekte der Lernwerkstatt des akademischen Jahres 2014/2015 waren:

  1. Der russische Zivildienst – Ein Randphänomen
  2. Die vergessenen Vertriebenen Osteuropas – Binnenflüchtlinge in Georgien und der Ukraine
  3. Gegen neue Mauern in Europa - Spielen Roma anders Fußball?
  4. Hybride Identitäten? Selbstverortung von MigrantInnen aus der ehemaligen Sowjetunion im Raum Berlin
  5. Kaliningrad goes Berlin "KaliBer"
  6. Krimtataren: Die Fremden in der Heimat?
  7. Let’s Get Beyond Taboos! LGBT in Ungarn
  8. Mental Map der EU - Perspektiven aus dem Westbalkan
  9. Perspektiven für die Peripherie - Ein deutsch- russischer Jugendaustausch
  10. Vergessene Fronten - Der Konflikt um Bergkarabach
  11. vILLages - Verfall der Döfer?
  12. Viscri startet - Sockenstrikerinnen in Rumänien

Eine detaillierte Beschreibung der Projekte finden Sie hier.

Publikationen

Erinnerungen aus der Kaschubei - Erfahrungen und Identitäten 1920 – 1939 – 1945

Foto: ©Degruyter Verlag

Foto: ©Degruyter Verlag

Die Kaschubei - eine Kulturlandschaft westlich von Danzig - erlebte im 20. Jahrhundert dramatische Veränderungen: Am Anfang des Jahrhunderts wurde sie von Polen, Deutschen, Kaschuben und Juden bewohnt und war Teil der preußischen Provinzen Westpreußen und Pommern. 1920 wurde die Region zwischen Polen, Deutschland und der Freien Stadt Danzig aufgeteilt und zum deutsch-polnischen Zankapfel. 1939 begann in Danzig der Zweite Weltkrieg. Polen und Kaschuben wurden während der NS-Besatzungszeit Opfer der brutalen Germanisierungspolitik, die jüdische Bevölkerung wurde verschleppt und ermordet. Am Ende des Krieges flohen die meisten Deutschen, die restliche deutsche Bevölkerung wurde später ausgesiedelt. Von der einst multiethnischen Bevölkerung blieben Polen und Kaschuben zurück.

In dem Buch erzählen 53 polnische, deutsche und kaschubische Zeitzeugen, wie sie diese Ereignisse erlebt haben und sich heute erinnern. Deutsche und polnische Erinnerungen werden nebeneinander gestellt, verflechten sich miteinander und sind oft - anders als man erwarten könnte - nicht gegensätzlich, sondern zeigen ähnliche Wahrnehmungen auf. Gerade hinsichtlich des Zweiten Weltkrieges lassen sich jedoch aufschlussreiche Unterschiede in den deutschen und polnischen Erinnerungen erkennen.

Die Publikation steht in der Tradition der Oral History. In einem einleitenden Essay reflektiert Piotr Filipkowski die Besonderheiten und Schwierigkeiten dieser Forschungsrichtung. Roland Borchers bietet einen Überblick über die Geschichte der Kaschubei im 19. und 20. Jahrhundert. Dem Buch ist eine CD beigefügt, auf der die meisten abgedruckten Interviewauszüge angehört werden können.

Der Band versteht sich als Quellenedition. Er leistet sowohl einen Beitrag zur regionalen Geschichte wie auch zu breiteren Fragestellungen im Kontext deutsch-polnischer Geschichte und der Ereignisse des Zweiten Weltkrieges. (Quelle: degruyter.com)

Weitere Informationen zum Herausgeber Roland Borchers finden Sie hier.