Film des Monats | Januar 2026 | Իմ հայկական ուրվականները / Meine armenischen Gespenster (2025) von Tamara Stepanyan
News vom 21.01.2026
Regie: Tamara Stepanyan
Genre: Dokumentation
Jahr: 2025
Sprachfassung: Armenisch mit deutschen Untertiteln
Dauer: 74 Minuten
Verfügbar bis: 07.07.2026
Hier geht es zum Stream.
Synopsis
Dreimal hat Tamara Stepanyan das armenische Kino neu entdeckt. Zunächst als Kind im heimischen Wohnzimmer, mit der ganzen Familie. Ihre Mutter war eine virtuose Cellistin, und ihr Vater ein berühmter Schauspieler: Vigen Stepanyan spielte oft in den Filmen mit, die Tamara damals im Fernsehen schaute. Ausgehend von dieser ersten, kindlichen Entdeckung beschreibt Stepanyan das Aufwachsen in einer künstlerischen, kritischen Familie in jenen Jahren, in denen die Sowjetunion langsam zerfällt. Die Familie emigriert zunächst nach Libanon; Stepanyan zieht später weiter nach Frankreich und studiert Regie. Dort entdeckt sie das Kino aus einer zweiten, von filmischer Neugierde, akademischem Interesse und handwerklicher Expertise geprägten Perspektive.
Als ihr Vater im Jahr 2020 unerwartet verstirbt und alle Gespräche, für die eigentlich noch viel Zeit hätte sein sollen, abrupt verstummen, beschließt Stepanyan, den Dialog mit ihm anhand von filmischem Material fortzuführen – und entdeckt das armenische Kino so zum dritten Mal neu. Die Erinnerung führt sie in einen Austausch auch mit anderen „Gespenstern“ – ihren in der Filmindustrie tätigen Großeltern und Freunden ihres Vaters, darunter Schauspieler und Filmemacher.
Stepanyan kombiniert dabei privates Bildmaterial mit Filmzitaten aus verschiedenen Epochen des armenischen Kinos und verwebt so ihre Erinnerungen, ihre Trauerarbeit und filmhistorische Analysen zu einem feinen, persönlichen Essay über Gedächtnis, Zugehörigkeit, den Einfluss politischer Systeme auf künstlerisches Schaffen und ihren eigenen Platz in der Tradition des armenischen Kinos.
Weiterführende Informationen
- Das Arsenal Berlin und Film Fest Report haben jeweils Interviews mit Stepanyan geführt.
- Im Filmmaker Magazine gibt es eine kleine Einführung in die Geschichte der armenischen Filmproduktion.
- Die Cinematheque in Vancouver zeigte 2023 die Retrospektive "Moving Mountains. The Centenary of Armenian Cinema". Filmkurator und Kunsthistoriker Vigen Galstyan erläutert auf YouTube außerdem die Anfänge des Kinos in Armenien.
Mehr Informationen zu den Filmen der letzten Monate finden Sie auf der Website der OEI Mediothek.

