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Fakt und Affekt

Graphische Aktion im Rahmen des Forschungsprojekts von Uljana Bychenkova und Anna Scherbyna am Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin

Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine hat eine statistische Seite, die tagtäglich in Opferzahlen, Truppenstärken, Fluchtbewegungen, Quadratmetern besetzten Geländes, Prozentsätzen zerstörter Infrastruktur und Konjunkturkurven angegeben wird. Er hat aber auch eine affektive Seite, die ungleich schwieriger zu erfassen ist. Im oft bemühten Begriff „humanitäre Katastrophe“ ist sie nur ansatzweise benannt.

In ihrem Projekt untersuchen Uljana Bychenkova und Anna Scherbyna die Artikulationsformen subjektiver Bewältigung der Kriegserfahrung. Im Mittelpunkt stehen dabei Selbstzeugnisse in sozialen Netzwerken, Briefen und Interviews mit Gebliebenen und Geflüchteten. Die Forschungsarbeit mit diesen Zeugnissen verläuft experimentell an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft. So kann ein Erfahrungswissen über den Krieg erschlossen werden, das der zahlenbasierten Analyse fremd bleibt.

Für die Publikation ihrer Forschungsergebnisse wählen Uljana Bychenkova und Anna Scherbyna das Format einer sukzessiven wissenschaftliche-künstlerischen Intervention in den öffentlichen akademischen Raum. Im Juni und Juli 2022 werden in wöchentlicher Folge neue Plakate auf dem Campus ausgehängt, auf denen Auszüge aus Dokumentationen über die Kriegserfahrungen zu lesen sind. Über den Zeitraum von zwei Monaten verdichten sich so auf dem Campus der Freien Universität die Stimmen der Menschen, die sonst in den Statistiken der militärischen Faktengeschichte verschwinden.

Uljana Bychenkova (Kyjiw) ist Kulturwissenschaftlerin, Kuratorin und Designerin. Ihr Arbeitsschwerpunkt liegt auf feministischen Bewegungen in der Kunst. Im Herbst 2020 hatte sie ein Fellowship an der Hochschule für Buchkunst und Gestaltung Leipzig inne.

Anna Scherbyna (Kyjiw) ist Kulturwissenschaftlerin, Kuratorin und Illustratorin. In den vergangenen Jahren hat sie über die Veränderung des Landschaftsbildes an der Front im Donbass gearbeitet.

Das Konzept auf Ukrainisch

I Did Not Want To Make a War Film

I Did Not Want To Make a War Film

Film des Monats
I Did Not Want to Make a War Film (2022) von Nadia Parfan
Regie: Nadia Parfan
Dauer: 18 Minuten

Hier geht es zum Stream 

Synopsis:

Als Russland am 24. Februar 2022 den AngriffsKrieg gegen die Ukraine begann, befand sich die ukrainische Regisseurin Nadia Parfan zusammen mit ihrem Mann, dem Filmproduzenten Illia Gladstein in Dahab, einer Stadt in Ägypten, um dem kalten Kyiver Winter zu entfliehen. Als sie zurückkehrt, ist nichts mehr, wie sie es verlassen hat. 

Nadia Parfan zeigt in ihrem Film Amateuraufnahmen der Raketenangriffe auf Kyiv ebenso wie kurze Videoportraits von Freunden und Familie, die aus ihren Heimatorten fliehen mussten. I Did Not Want to make a War Film ist ein intimes und eindrückliches Zeugnis des Kriegsalltags im „nie endenden Winter 2022“. 

Mehr zum Film des Monats 

Mariupolis_Bild

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Filmspecial Ukraine der Mediothek:

Die Mediothek des Osteuropa Instituts sammelt im Rahmen des Ukrainespecials Dokumentar- und Spielfilme, die nach dem russischen Angriffskrieg von ukrainischen und weiteren mittel- und osteuropäischen FilmemacherInnen, von internationalen Filmfestivals und Filminstitutionen im kostenlosen Onlinestream veröffentlicht wurden.
Die Filmauswahl wird regelmäßig mit neuen Streamingangeboten ergänzt und bietet einen kritischen und vielseitigen filmischen Zugang zu den aktuellen Erreignissen in der Ukraine und in der Region.