Mosse-Lectures - Yannis Stavrakakis (Thessaloniki) mit Ethel Matala de Mazza (HU) - »The Populist Scandal. Post-Democratic Challenges«

Vortrag | 08.12.2016 | 19:00 Uhr c.t. | Humboldt-Universität zu Berlin

(c) Humboldt-Universität zu Berlin

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In letzter Zeit haben mehrere Ereignisse die Öffentlichkeit weltweit schockiert und für Verwirrung gesorgt. Wissenschaftler, Journalisten und Bürgerschaft zeigen sich gleichermaßen irritiert und sorgen sich um die Zukunft der Demokratie. Dabei reihen sich das BREXIT-Referendum und der Sieg von Donald Trump bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen ein in frühere Vorgänge: mit der Konsequenz, dass kein anderes Thema die politischen Debatten gegenwärtig so dominiert wie die Auseinandersetzungen über den ›Populismus‹. Es zeigt sich allerdings, dass die andauernden Diskussionen von stereotypen Vorurteilen geprägt sind, die einer angemessenen Verständigung über das Phänomen und seine Folgeerscheinungen für die Demokratie im Wege stehen. Um das Skandalon des Populismus zu verstehen, müsste man zum einen unsere eurozentristische Sicht in Frage stellen und zum anderen versuchen, das politisch Bewusste und Unbewusste der subjektiven Erfahrung in Krisenzeiten der Demokratie annähernd zu begreifen. Um hier eine Orientierung zu gewinnen, möchte ich in dieser Vorlesung vier Punkte zu bedenken geben. Man müsste (1) ernsthaft über die Sprachspiele nachdenken, die sich um den Begriff ›Populismus‹ herum herausgebildet haben, (2) in globaler Perspektive die Wege und Umwege populistischer Politik rekonstruieren, um von hieraus ihre große Bandbreite ins Auge zu fassen und dabei auch das oft vernachlässigte Potential populistischer Inklusion beachten, (3) die einen post-demokratischen ›Populismus‹ fördernde Interdependenz von ökonomischer Krise und der Krise der politischen Repräsentation beschreiben; (4) die Manöver des populistischen Diskurses stets mit der antipopulistischen Rhetorik und den institutionellen Gegenmaßnahmen abgleichen, um so das gegenwärtige Populismus-Dilemma im Zusammenhang zu verstehen.

Yannis Stavrakakis ist Professor of Political Discourse Analysis an der School of Political Science der Aristoteles-Universität von Thessaloniki, wo er auch das International Populismus Observatory leitet; in seinen Forschungen widmet er sich besonders der Wirksamkeit psychoanalytischer Theorie in Kultur- und Politikwissenschaft. Veröffentlichungen u.a.: »Lacan and the Political« (1999), »Discourse Theory and Political Analysis« (Co-Autor 2000), »Lacan & Science« (2002) »The Lacanian Left« (2007), auf Deutsch: »Die Rückkehr des ›Volkes‹. Populismus und Anti-Populismus im Schatten der europäischen Krise«, in: R. Voigt, S. Salzborn (Hg.): Staat – Souveränität – Nation, Wiesbaden 2016, S. 109-137.


Zeitpunkt und Ort:

Donnerstag, 08.12.2016  |  19:00 Uhr c.t.

Senatssaal
Berlin Humboldt-Universität zu Berlin
Unter den Linden 6, 10099 

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Schlagwörter

  • Polen, Deutschland, Projekt, Wissenschaft, Geschichte