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Herwig Roggeman, langjähriger Professor des Osteuropa-Instituts, mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet

News vom 05.10.2016

Professor Herwig Roggemann geehrt

Langjähriger Professor für Strafrecht, osteuropäisches Recht und Rechtsvergleichung der Freien Universität Berlin erhält das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

Pressemitteilung der Freien Universität Berlin Nr. 324/2016 vom 04.10.2016

Der frühere Vorsitzende des Osteuropa-Instituts und Leiter des Arbeitsbereiches Recht und Wirtschaft, Prof. Dr. Dr. h. c. Herwig Roggemann, ist mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Der Wissenschaftler erhielt die Ehrung aus den Händen des Staatssekretärs für Bildung, Jugend und Wissenschaft des Landes Berlin, Steffen Krach. Krach betonte, Roggemann habe sich nicht nur wissenschaftlich durch den Rechtsvergleich zwischen West- und Osteuropa große Verdienste erworben, sondern in der Lehre und Weiterbildung auch aktiv für ein besseres Verständnis des deutschen und westeuropäischen Rechtswesens in Ost- und Südosteuropa und umgekehrt auch der Entwicklung dieser Länder in Deutschland eingesetzt. Dies spiegele sich unter anderem in dem von ihm gegründeten und von seinem früheren Mitarbeiter Prof. Dr. Jens Lowitzsch an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/O. gemeinsam mit Kollegen an der Freien Universität Berlin und anderen Universitäten weitergeführten „Interuniversitären Zentrum“ wider, das die internationale Zusammenarbeit und den Ausbau rechtsstaatlicher Strukturen insbesondere in Südosteuropa zum Ziel habe. Als Beispiel für die von Roggemann in Berlin und in Osteuropa organisierten internationalen Veranstaltungen hob Krach das Symposium „Versöhnung auf dem Balkan“ am Osteuropa-Institut der Freien Universität im Jahr 2013 hervor. Dort saßen erstmalig Botschafter sowie Vertreterinnen und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen Kroatiens, Serbiens und Bosniens an einem Tisch und diskutierten miteinander über Kriegsursachen, Kriegsfolgen und deren Aufarbeitung. Roggemann habe damit wie mit zahlreichen vorangegangenen Veranstaltungen einen Beitrag zur Verständigung zwischen der Politik und Menschen in Ost- und Westeuropa geleistet, betonte Krach.

Herwig Roggemann wurde 1935 in Bremen geboren und studierte Rechtswissenschaft an den Universitäten Göttingen, Freiburg und München. 1962 promovierte er an der Juristischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen. In den darauffolgenden zwei Jahren studierte er Slawische Sprachen und Rechtssysteme der Ost- und Südosteuropäischen Staaten an der Freien Universität Berlin, an der er zunächst als Akademischer Rat arbeitete und sich 1973 am Fachbereich Rechtswissenschaft habilitierte. Von 1973 bis 2000 wirkte er als Professor am Fachbereich Rechtswissenschaft der Freien Universität und an deren Osteuropa-Institut, dessen Vorsitzender er von 1993 bis 1997 war. Von 1998 bis 2000 war er Mitglied des Akademischen Senats der Freien Universität Berlin. Für seine Verdienste um die wissenschaftliche Zusammenarbeit wurde ihm 2005 die Ehrendoktorwürde der Universität Split verliehen, und der Staatspräsident Kroatiens zeichnete ihn mit dem Flechtbandorden aus. Von 2000 bis 2013 leitete Roggemann das von ihm zusammen mit anderen deutschen und kroatischen Universitätskollegen gegründete, vom DAAD geförderte Interuniversitäre Zentrum für deutsches, kroatisches, europäisches Recht und Rechtsvergleichung in Split und Berlin. Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeiten und Veröffentlichungen sind neben der rechtlichen und politischen Entwicklung in Ost- und Südosteuropa insbesondere im Straf- und Verfassungsrecht unter anderem Fragen des internationalen Strafrechts und der postsozialistischen Transformation der Staats- und Eigentumsverfassung. In Zusammenarbeit mit dem Berliner Wissenschaftsverlag begründete er die Reihe „Quellen zur Rechtsvergleichung aus dem Osteuropa-Institut“, zu deren Mitherausgebern Kolleginnen und Kollegen der Freien Universität und anderer Universitäten gehören. Inzwischen erschien Band 67. Zu seinem 70. Geburtstag versammelte eine unter dem Titel „Transformation des Rechts in Ost und West“ von Dr. Dirk Fischer 2006 im Berliner Wissenschaftsverlag herausgegebene, umfangreiche Festschrift zahlreiche Beiträge von Schülerinnen und Schülern sowie Fachkolleginnen und -kollegen. In seiner 2015 im selben Verlag erschienen Streitschrift „Ukraine-Konflikt und Russlandpolitik – Ein Diskussionsbeitrag zum Ukraine-Konflikt und für eine neue deutsche und europäische Russlandpolitik“ setzte sich Roggemann kritisch mit der derzeitigen deutschen und europäischen Russlandpolitik auseinander und sprach sich für einen kooperativen Neubeginn anstelle konfrontativer Sanktionspolitik aus. Seine Thesen sind auf der Webseite www.berliner-forum.eu zur Diskussion gestellt.

In seiner Dankesrede erklärte Roggemann, als gebürtiger Bremer habe er sich in einem Zwiespalt befunden, da freie Hansestädter Ordensverleihungen eher skeptisch oder ablehnend gegenüberstünden. Doch sei er infolge langer hiesiger Lebens- und Arbeitszeit auch Berliner geworden – und denen sei solche Zurückhaltung fremd. Vor allem aber sehe er durch die Auszeichnung nicht sich ausgezeichnet, sondern seine Arbeit und alle Studierenden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Kolleginnen und Kollegen sowie seine Weggefährten, die an seinen Veranstaltungen, wissenschaftlichen Projekten und Publikationen in der einen oder anderen Weise beteiligt gewesen seien oder mitgewirkt hätten. Diesen habe er zu danken. Er verstehe die Auszeichnung zugleich als Verpflichtung, der jüngeren akademischen Generation auch weiterhin eine wachsame und auch selbstkritische Sicht auf Entwicklungstendenzen und auch Fehlentwicklungen im eigenen Rechtsraum zu vermitteln. Auch solle das grenzüberschreitende Rechtsgespräch gerade in Zeiten zunehmender politischer und ökonomischer Konflikte – auf dem Balkan wie in der Ukraine – nicht abreißen, sondern intensiviert werden. Als Begegnungsort für solche Gespräche habe sich neben universitären Foren auch die von ihm und seiner Frau Marina geführten Galerie Wannsee bewährt. Jüngstes Projekt in diesem Rahmen sei 2016 eine gemeinsam mit estnischen Partnern geplante deutsch-estnische Kunstausstellung des Malers Johannes Niemeyer, die danach auch in Kuressaare (Arensburg) im Museum Saaremaa und anschließend in Tallinn und Riga gezeigt werden soll.

 

Weitere Informationen

Prof. Dr. Dr. h. c. Herwig Roggemann, Fachbereich Rechtswissenschaft und Osteuropa-Institut, Telefon: 030/ 805 1078, 030/ 803 60 86, Mobil: 0179/ 1755195, E-Mail: herwig.roggemann@fu-berlin.de, herwig.roggemann@gmx.de

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