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Mai 2021

Ладони, Ladoni (1994)

06.05.2021

Ladoni Filmplakat

Ladoni Filmplakat

Produktionsland: Russland

Jahr: 1994

Buch/Regie/Kamera/Schnitt: Artur Aristakisjan

Musik: Giuseppe Verdi

Sprachfassung: Russisch

Dauer: 144 Min.

Ладони auf goEast

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Inspiration:

goEast, das Festival des mittel- und osteuropäischen Films bot auch dieses Jahr in einer digitalen Fassung eine exzellente Filmauswahl. Neben der traditionellen Wettbewerbsreihe bildete das nichtkommerzielle Kino einen wichtigen Schwerpunkt des Programms. Sehr zu empfehlen ist die HOMMAGE AN YURI-Sektion, die den 60. Jahrestag der Erdumrundung Gagarins zum Anlass nimmt, ein spannendes Weltraum-Filmprogramm zu präsentieren.

Ein besonderes Highlight des Festival-Rahmenprogramms ereignete sich an einem für das Festival kuratierten Anti-Oscarabend am 25. April. Während in Los Angeles der rote Teppich ausgerollt wurde, gestaltete parallel dazu der rumänische Regisseur und goEast-Porträtgast Radu Jude einen anspruchsvollen Filmabend mit seiner persönlichen Anti-Oscar-Auswahl. Aus dieser Anti-Oscar-Reihe präsentieren wir in diesem Monat einen unkonventionellen, experimentfreudigen und vielschichtigen Film – die Dokumentation Ладони (Handflächen) von Artur Aristiksjan.

Synopsis:

In einem Monolog richtet sich der Erzähler an seinen ungeborenen Sohn. In diesem Selbstgespräch wird das Kind auf sein künftiges Leben vorbreitet, das durch Armut, Ungleichheit und Gewalt geprägt ist: «Желаю тебе стать нищим, потому что я люблю тебя», «вооружись нищетой и нападай на систему первым» (Filmzitat).

Die Filmfiguren werden von dynamischer Kameraführung in Schwarz-Weiß-Ästhetik in Chişinăus Armenviertel eingefangen. Die Erzählerstimme aus dem Off bringt den Betrachter*innen die Figuren näher, die als die Ärmsten unter den Armen und die Schwächen unter den Schwachen im städtischen Raum agieren, zugleich jedoch eine subversive Kraft in sich tragen. Die ungewöhnliche Montagetechnik spitzt die manifeste Systemkritik neben der verbalen Ebene auch auf der Ebene des Bildes weiter zu und nimmt einen direkten Bezug auf das tragische Schicksal des osteuropäischen Judentums. Der Holocaust markiert hier den zentralen zivilisatorischen Bruch, in dessen unendlichem Schatten die moderne Welt voll Ungerechtigkeit weiterexistiert.

Zum Regisseur:

Artur Aristakisjan ist ein russischer und moldauischer Filmregisseur, Drehbuchautor und Kameramann. Zwischen 1988 und 1993 studierte er Dokumentarfilmregie an Gerassimow-Institut für Kinematografie in Moskau. Zurzeit unterrichtet er an der Moscow School of New Cinema.

Filmografie:

1993 — Ладони (Ladoni)

2001 — Место на земле (Mesto na zemle)

Weiterführende Artikel zum Film:

Colta.ru: Цивилизация на колесиках «ЛАДОНИ»

Центр Вознесенского: «Ладони». Фильм Артура Аристакисяна, Кинопоказ и обсуждение с автором

Lookatme.ru: «Ладони» Артура Аристакисяна, 1994

INRUSSIA: The Russian-Armenian filmmaker explores the quirks and triumphs of the human spirit

Vertigo: The Opened Hand: Reflections on Artur Aristakisyan's Palms

Interviews:

Colta.ru: Артур Аристакисян: «Я — только актер»

Seance.ru: Interview with Анастасия Зобнина: Невозможно отправиться на тот свет без любви

Interview at AGBU with Carlos Reygadas and Arthur Aristakesjan [Video]