Hausarbeiten

Die Hausarbeit im Fach Geschichte

 

  • Die Hausarbeit:

1. Das Deckblatt

2. Gliederung der Arbeit

3. Sprachstil

4. Verarbeitung von Quellen und Literatur, Zitate

5. Die Anmerkungen/Fußnoten

6. Aufnahme von Buch- oder Zeitschriftentitel etc.

7. Anfertigung der Hausarbeit

8. Literatur und Tipps zur Anfertigung wissenschaftlicher Arbeiten

9. Beispiele für eine Seminararbeit


Grundsätzliches

Eine Hausarbeit ist weder ein Besinnungsaufsatz noch die Zusammenfassung eines Buches. Sie soll deutlich machen, dass sich der/die VerfasserIn mit dem gewählten Thema anhand von Quellen (sofern diese in veröffentlichter Form vorliegen) und/oder Fachliteratur sachlich informiert und kritisch auseinandergesetzt hat. Wer im Vertrauen auf das gedruckte Wort nur die Auffassungen eines anderen Autors referiert, ist von diesem Ziel weit entfernt. Die Arbeiten unterschiedlicher AutorInnen sind hinsichtlich der „Fakten" und deren Interpretation miteinander zu vergleichen, um Einseitigkeiten und Vorurteile aufzuspüren, Informationslücken füllen und unterschiedliche Betrachtungsperspektiven erkennen zu können.

Eine unverzichtbare Voraussetzung für die "Wissenschaftlichkeit" einer Hausarbeit ist die Nachprüfbarkeit der darin enthaltenen Behauptungen (nicht nur der Nachweis von Zitaten!). Der Leser hat ein Recht darauf zu erfahren, woher Sie Ihre Informationen nehmen. Diesem Nachweis dienen die Fußnoten (Anmerkungen).

> Rein deskriptive Abhandlungen, die sich in einer Aneinanderreihung von „Fakten" erschöpfen, sind ermüdend. Entwickeln Sie Fragen und problematisieren Sie Ihr Thema! Machen Sie deutlich, was Sie interessiert, und warum es spannend ist, sich mit dem von Ihnen behandelten Stoff zu beschäftigen.Setzen Sie sich ggf. auch mit Theorien und Erklärungsmodellen auseinander.

Interessante Fragestellungen, klare gedankliche Gliederung, begriffliche Präzision, der Nachweis der jeweiligen Informationsquellen, genaue Zitierweise und eine fehlerfreie, lebendige Sprache sind wichtige Kriterien einer wissenschaftlichen Arbeit.

Eine Hausarbeit beruht auf drei Arbeitsschritten:

  1. sorgfältige Recherche der Informationen und deren Ordnung
  2. kritische Verarbeitung der gewonnenen Informationen und ihre gedanklichen Strukturierung
  3. Niederschrift der Arbeitsergebnisse

Umfang der Hausarbeit

Im Grundstudium soll eine Hausarbeit ca. 15 maschinenschriftliche Seiten umfassen (mit 3 cm breitem linken Rand, 12 Punkt Schriftgröße u. anderthalbzeiligem Abstand) (das sind rd. 40.000 Zeichen); im Hauptstudium ca. 25 Seiten (knapp 70.000 Zeichen).


Abgabetermin

Gemäß der Regelung am FB Geschichtswissenschaft müssen Hausarbeiten spätestens zu Beginn des folgenden Semesters abgegeben werden.


Die HAUSARBEIT

1. Das Deckblatt

muss enthalten

- Semesterangabe, Art u. Thema der Lehrveranstaltung, Name des Dozenten/der Dozentin,

- Titel der Hausarbeit,

- Name, Anschrift und Studienfächer des Verfassers/der Verfasserin (m. Angabe der Semesterzahl).

 

2.  Gliederung der Arbeit

  • (Vorwort)
  • Inhaltsverzeichnis mit Seitenangabe
  • (Verzeichnis der Abkürzungen)
  • Einleitung
  • Hauptteil(e) der Arbeit
  • Zusammenfassung (Schluss, Ausblick)
  • (Anhänge)
  • Quellen- und Literaturverzeichnis

Die in Klammern gesetzten Gliederungsteile sind nicht obligatorisch.

Die wichtigsten Gliederungsteile:

(Das Vorwort ist im Unterschied zur Einleitung kein integraler Bestandteil des eigentlichen Textes. Es nimmt alle Ausführungen auf, die nicht in die Untersuchung selber gehören, z.B. Erläuterungen zur Entstehung der Arbeit, Danksagungen o.ä. In Seminararbeiten ist ein Vorwort i.d.R. nicht erforderlich.)

Die Einleitung führt theoretisch und/oder historisch in das Thema ein (Begründung des Themas, wissenschaftliche „Relevanz", Fragestellungen, historischer Zusammenhang). Sie legt die Zielsetzung, den Forschungsstand sowie die zeitliche und inhaltliche Abgrenzung des Themas (ev. auch Hypothesen des Verfassers und methodische Vorgehensweise) dar und bildet somit einen organischen Teil der Untersuchung.

Es ist oft zweckmäßig, bei der ersten Niederschrift der Arbeit nicht mit der Einleitung zu beginnen, sondern mit dem Hauptteil. Die Einleitung wird erst geschrieben, wenn klar ist, was im Hauptteil der Arbeit steht.

Der Hauptteil der Arbeit sollte eine (chronologische oder sachthematische) Gliederung aufweisen, die den Aufbau der Untersuchung oder den Gedankengang des Verfassers bereits in Umrissen erkennen lässt. Als Gliederungsschema empfiehlt sich ein Wechsel von Buchstaben und Zahlen oder von römischen und arabischen Ziffern oder eine Dezimalklassifikation, z.B.:

A. I. 1.

1. 1. 1.1.

a. 1.1. 1.1.1.

b. 1.2. 1.1.2.

2. 2. 1.2.

B. II. 2.

1. 1. 2.1.

... ... ...

 

3. Sprachstil:

Die Hausarbeit soll sprachliche Klarheit anstreben. Dazu gehören begriffliche Präzision, ein korrekter Satzbau und ein einheitlicher (und v.a. grammatikalisch richtiger) Gebrauch des Tempus, d.h. bei der Darstellung historischer Sachverhalte ist das Präteritum zu verwenden (und zwischen Vergangenheit und Vorvergangenheit zu differenzieren). Der Tempuswechsel (Vergangenheit - Gegenwart und umgekehrt) ist auf wenige Ausnahmen zu beschränken. Z.B. ist der Gebrauch des Präsens üblich beim Vorstellen von Lehrmeinungen, eigenen Urteilen und zeitlos gültigen Aus- sagen. Beispiele: "Müller behauptet...", "Maier vertritt die Auffassung...", "Die Quelle gliedert sich in zwei Teile..."

Sonst ist der Tempuswechsel zu vermeiden.

Erläutern Sie relativ unbekannte Namen und Begriffe im Text oder in den Anmerkungen.

Argumentieren Sie sachlich. Sie sind weder Ankläger noch Verteidiger, sondern in erster Linie Gut- achter. Verzichten Sie auf unverbindliche Formulierungen (wie "man"), inhaltsleere oder emotional wertende Attribute (wie "schön", "gut" etc.) sowie (nach Möglichkeit) auf anonymisierte Passivkonstruktionen („es wurde behauptet...", „es wurde beschlossen..."; der Leser möchte erfahren, wer behauptet oder wer beschlossen hat).

Persönliche Stellungnahmen („ich meine..." etc.) sollten auf das Vorwort oder die Einleitung beschränkt bleiben. Sie brauchen Ihre persönliche Auffassung nicht zu verstecken, müssen sie aber als solche kennzeichnen. Und bedenken Sie, dass den Leser Ihre persönliche Meinung vielleicht nur bedingt oder auch gar nicht interessiert. Er erwartet von Ihnen v.a. eine sachliche u. kritische Aufarbeitung des Themas.

Statt einer (mehr od. minder) verschlüsselten Akademikersprache sollten Sie ein verständliches u. lebendiges Deutsch schreiben: Verben statt Substantive, Aktiv statt Passiv, Sätze statt Satzschachteln! Vermeidung von Füllworten!

Grundsätzlich ist bei der sprachlichen Umsetzung zu bedenken, dass die Ernsthaftigkeit einer wissenschaftlichen Arbeit nicht durch die Verwendung ausgefallener Fremdworte und unüber- sichtliche Satzkonstruktionen erreicht wird. Der Text soll präzise und flüssig geschrieben sein, -

auf den Leser konzentriert, dem Leser dienend.

 

4. Verarbeitung von Quellen und Literatur, Zitate:

Soweit wie möglich sollen bei der Ausarbeitung des Themas neben der einschlägigen Literatur auch veröffentlichte Quellen ausgewertet werden. Der Autor/die Autorin gibt darüber in Anmerkungen sowie in einem gesonderten Quellen- und Literaturverzeichnis Auskunft. Er/sie ist verpflichtet, alle wörtlichen und gedanklichen Übernahmen als solche zu kennzeichnen und genau zu belegen. Bei wörtlichen Zitaten ist jede Abweichung von der Vorlage (z.B. Auslassungen) zu vermerken. Wörtliche Übernahmen sind möglichst gering zu halten. Sie sollten Ausgangspunkt für Analyse und Quellenkritik sein, nicht an die Stelle der eigenen Darstellung treten!

Sofern Sie fremde Lehrmeinungen mit eigenen Worten wiedergeben, verwenden Sie die indirekte Rede.

Fremdsprachige Zitate (mit Ausnahme lateinischer, englischer und französischer Zitate) sind ins Deutsche zu übersetzen. (In Absprache mit den DozentInnen ist zu klären, ob das fremdsprachige Originalzitat in einer Anmerkung hinzugefügt werden soll) .

Wörtliche Zitate stehen in doppelten Anführungsstrichen ("..."). Zitate in Zitaten werden mit einfachen Anführungsstrichen (`...') gekennzeichnet. Beispiel: "Die Nachfolgestaaten beriefen sich auf das Prinzip der `nationalen Selbstbestimmung'." Zum Verständnis erforderliche Ergänzungen in Zitaten sind in eckige Klammern oder in Schrägstriche zu setzen. Beispiel: "Er [der Präsident der Vereinigten Staaten] erklärte..." Werden aus dem Wortlaut eines Zitats einige Wörter ausgelassen, so muss die Auslassung durch drei Punkte deutlich gemacht werden. Werden ganze Sätze weglassen, so sind die drei Punkte in Klammern zu setzen. Beispiel: "Die Sanktion der Gesetzgebung durch das Staatsoberhaupt war ein...formeller Akt. (...) Die Regierung war allein dem Parlament verantwortlich." Der Sinn eines Zitats darf in keinem Fall durch Auslassungen entstellt werden. Zitate aus zweiter Hand sind - unter Angabe der Quelle! - durch "zit. nach:" zu kennzeichnen (z.B. Brief Hindenburgs an Ebert v. 8.12.1918, zit. nach: Wolfgang Malanowski: November-Revolution..., S. 78 f.).

 

5. Die Anmerkungen/Fußnoten:

Anmerkungen sind kein Selbstzweck! Sie dienen dem Nachweis von direkten oder indirekten Zitaten und sollen Auskunft darüber geben, woher Sie Ihre Informationen haben. Damit soll die Nachprüfbarkeit (ein unverzichtbares Kriterium jeder wissenschaftlichen Arbeit) gewährleistet werden.

Andere (mögliche) Funktionen von Fußnoten:

- Angabe von weiterführender oder kommentierender Literatur zur Entlastung der Argumentationsführung im Text

- Diskussion von Lehrmeinungen (sofern deren Behandlung im Text die Gedankenführung stören würde),

- zusätzliche Erläuterungen zu Sachverhalten, Begriffen etc., die das Verständnis der Arbeit od. eines Arguments erleichtern, jedoch ohne Unterbrechung der Gedankenführung im Text nicht untergebracht werden können.

Die Anmerkungen werden durchgehend oder - bei größeren Arbeitenkapitelweise numeriert. Sie stehen am Fuß der jeweiligen Seite oder im Anschluss an den Text (in diesem Fall hat der Anmerkungsteil mit einer neuen Seite zu beginnen!). Anmerkungen werden mit einzeiligem Abstand geschrieben.

Bei der ersten Erwähnung eines zitierten Werkes in den Anmerkungen ist der Buchtitel ebenso vollständig wie im Literaturverzeichnis anzuführen. Bei wiederholter Erwähnung sind Kurztitel zulässig. Wird dasselbe Werk mehrmals hintereinander zitiert, kann die Abkürzung "Ebda." Verwendung finden (+ Angabe der Seitenzahl). Abkürzungen für häufig zitierte Arbeiten sind in einem gesonderten Abkürzungsverzeichnis aufzulösen. Stützen sich längere Ausführungen auf eine fortlaufende Passage in einem einzelnen Werk, so braucht nicht nach jedem Satz erneut auf dieses Werk verwiesen werden. Es genügt, zu Beginn der Ausführungen auf das entsprechende Kapitel in dem benutzten Werk zu verweisen (z.B.: Zum folgenden vgl. Jelavich: History, S. 30 ff.).

 

6. Aufnahme von Buch- oder Zeitschriftentitel etc.

Einzelheiten zur korrekten Aufnahme von Buch- und Zeitschriftentiteln finden sich im Merkblatt über das Bibliographieren.

 

7. Anfertigung der Hausarbeit:

Die Niederschrift einer Arbeit erfolgt in mehreren Schritten: Nachdem Sie die notwendigen Informationen zusammengetragen und geordnet haben, müssen Sie Klarheit über die Gliederung Ihrer Ausführungen gewinnen (ev. ein detailliertes Konzept anfertigen). Auf die Formulierung der Kapitelüberschriften ist besondere Sorgfalt zu verwenden. Danach beginnt die Niederschrift der Rohfassung. Lassen Sie anschließend das Manuskript einige Tage ruhen, um Abstand zu gewinnen! Oder geben Sie Ihr Manuskript einem Kommilitonen zum Lesen (wobei nicht wichtig ist, ob dieser etwas vom Thema versteht oder nicht). Es geht in dieser Phase v.a. darum zu überprüfen, ob die Gedankenführung schlüssig ist und die Ausführungen verständlich sind. Je nach Ergebnis dieser Überprüfung sind die Gliederung der Arbeit, die Kapitelüberschriften, die Aufteilung des Stoffes auf die einzelnen Kapitel oder die Gedankenführung zu modifizieren. Erst danach beginnt die Reinschrift der Arbeit.

 

Viel Spaß und Erfolg!

 

8. Literatur und Tipps zur Anfertigung wissenschaftlicher Arbeiten:

Allgemeines zu den verschiedenen Formen wissenschaftlicher Arbeiten (Thesenpapier, Referate, Hausarbeiten etc.) sowie zu den „zehn Todsünden" beim Abfassen einer Hausarbeit und wie man sie vermeidet:  http://www2.rz.hu-berlin.de/sowi/studium/wissarb.htm

Hinweise zur Vorbereitung und Anfertigung wissenschaftlicher Arbeiten finden sich in jeder Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten oder in das Studium der Geschichtswissenschaft.

 

Stellvertretend für viele andere:

  • Standop, Ewald: Die Form der wissenschaftlichen Arbeit. 13. Aufl. Heidelberg 1990 (Uni-Taschenbücher /UTB/. 272);
  • Umberto, Eco: Wie man eine wissenschaftliche Abschlußarbeit schreibt. Doktor-, Diplom- und Magisterarbeit in den Geistes- und Sozialwissenschaften. 6. Aufl. Heidelberg 1990. (UTB 1512);
  • Krämer, Walter: Wie schreibe ich eine Seminar- oder Examensarbeit? Frankfurt/M., New York: Campus Verlag 1999 / /gut lesbar, sehr zu empfehlen //.
  • Rieß, Peter - Stefan Fisch - Peter Strohschneider: Prolegomena zu einer Fußnote. Münster, Hamburg 1995;
  • Grafton, Anthony: Die tragischen Ursprünge der deutschen Fußnote. Berlin 1995.

 

Tipps zur Vermeidung eines Hausarbeiten-Staus:

  • Rückert, Hans-Werner: Schluss mit dem ewigen Aufschieben. Campus Verlag 2000.

 

Wer Hilfe beim Verfassen einer Hausarbeit (Überwindung von Schreibhemmungen o.ä.) braucht, kann sich an die Psychologische Beratung der FU wenden. Tel.: 838-52 247; Email: psychologische-beratung@fu-berlin.de.


9. Beispiele für eine Seminararbeit

  1. Seminararbeiten-Beispiel 1 (PDF)
  2. Seminararbeiten-Beispiel 2 (PDF)
    -Titel
    -Inhaltsverzeichnis
    -Volltext

 

Zur Website des Friedrich-Meinicke-Instituts
Zentrum für Historische Forschung der Polnischen Akademie der Wissenschaften
Zur Website des Netzwerks Area Histories
Zur Mediothek des Osteuropainstituts