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Politik

Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin

Forschung und Lehre der Abteilung Politik decken die ganze Breite der politischen Prozesse und Institutionen im östlichen Europa und im postsowjetischen Eurasien (mit einem besonderen Fokus auf Russland) ab. Unsere Schwerpunkte liegen in der vergleichenden Autoritarismusforschung: Wie funktionieren autoritäre Regime in der postkommunistischen Welt? Wie unterscheiden sie sich von Autokratien in anderen Weltregionen? Welche Faktoren führen zur Konsolidierung autoritärer Regime, zu ihrem Zerfall und ihrer Demokratisierung? Uns interessieren sowohl die Entstehung und der Zerfall des Autoritarismus als auch sene interne Dynamik und Transformation. Wir untersuchen insbesondere den Übergang zwischen verschiedenen Formen autoritärer Herrschaft, Konflikte und Koalitionen innerhalb autoritärer Eliten sowie die Bürokratien autoritärer Staaten und deren Interaktion mit der Politik. Der politikwissenschaftliche Kern unserer Forschung wird durch Ansätze aus anderen sozialwissenschaftlichen Disziplinen ergänzt, insbesondere aus der Volkswirtschaftslehre und der Soziologie.

Konkret verfolgen wir in unserer Forschung drei Schwerpunkte:

  • Erstens untersuchen wir subnationale Varianzen in der Politik autoritärer Regime. Wie funktioniert die Interaktion zwischen der Zentralregierung und regionalen Eliten in Autokratien? Wieviel Autonomie genießen regionale Regierungen? Wie beeinflussen formale und informelle Anreize und Praktiken das Verhalten regionaler Bürokratien? Wie gestaltet sich die Kommunikation zwischen regionalen und zentralen Eliten? Ferner spielen in unserer Forschung die Konzepte der regionalen politischen Regime sowie der „Inseln“ der Demokratie und des Autoritarismus eine große Rolle. Unsere Untersuchungen fokussieren sich dabei auf die russischen Regionen, decken aber auch andere postsowjetische Staaten ab.
  • Zweitens beschäftigen wir uns in unserer Arbeit mit der internationalen Dimension autoritärer Herrschaft, insbesondere mit der Kooperation autoritärer Regime. Traditionelle Sichtweisen unterstellen Autokratien eine mangelnde Fähigkeit, robuste internationale Kooperation aufzubauen. Wir erforschen, unter welchen Bedingungen solche Kooperationen doch möglich sind und welche Auswirkungen dies für die Regime selbst und für die internationale Politik hat. In diesem Zusammenhang spielt für uns auch das Thema der Autokratiediffusion und die Förderung autoritärer Regime durch stärkere (autoritäre) Staaten eine große Rolle. Hier liegt unser Fokus in Eurasien insbesondere auf der Eurasischen Wirtschaftsunion.
  • Drittens analysieren wir die historische Dimension autoritärer Regime. Autokratien scheinen sich oft über längere Zeiträume hinweg zu reproduzieren und selbst historische Diskontinuitäten und Brüche wie Kriege und Revolutionen zu überleben. In der postkommunistischen Welt sind autoritäre Regime stark durch die Vermächtnisse des Realsozialismus, zum Teil allerdings auch durch historisch noch weiter reichende Tiefenstrukturen geprägt. Unsere Forschung befasst sich mit den Mechanismen dieser historischen Persistenzen sowie den Faktoren, die diese bestehenden Pfadabhängigkeiten auflösen können.

Neben diesen Schwerpunkten gehören weitere Aspekte autoritärer Herrschaft zu unserer Forschung. So werden in der Abteilung unter anderem auch Arbeiten zur Interaktion von Staat und Gesellschaft in autoritären Regimen, zu Fragen des Populismus, insbesondere seinem Verhältnis zum Autoritarismus und seiner Diffusion in den post-sowjetischen Raum, zur Entwicklung der Sozialwissenschaften in postsowjetischen Staaten (inklusive ihres wissenschaftliches Fehlverhaltens), zum Nationalismus und Nation Building, zum sozialen Wandel im Postsozialismus, zur Interaktion von politischen und wirtschaftlichen Interessen in Autokratien sowie zur Rolle von Patron-Klient-Beziehungen in wirtschaftlichen und politischen Entwicklungsprozessen verfasst.

Der methodische Schwerpunkt der Abteilung liegt im Bereich der quantitativen Forschung. Wir arbeiten dabei sowohl mit regionalen Datensätzen als auch mit Befragungsdaten, Labor- und Feldexperimenten sowie Firmendatensätzen. Die quantitativen Untersuchungen werden durch qualitative Studien und Mixed-Methods-Untersuchungen ergänzt.

Die Ergebnisse unserer Forschung wurden in führenden politikwissenschaftlichen Zeitschriften (World Politics, Comparative Political Studies, Comparative Politics, Political Studies, Journal of Democracy, Studies in Comparative International Development, Publius: The Journal of Federalism, Review of International Political Economy, Review of International Organizations, Journal of Common Market Studies, International Affairs) sowie als Monographien in führenden Fachverlagen (Oxford University Press, Cambridge University Press, Routledge, Palgrave und Edward Elgar) publiziert. Unsere Aufsätze erscheinen zudem auch in anerkannten Zeitschriften verwandter Disziplinen (Journal of Comparative Economics, Public Choice, European Journal of Political Economy, Energy Economics, Scientometrics, Social Science Research) und in Area Studies-Zeitschriften mit einem Schwerpunkt auf Osteuropa (Europe-Asia Studies, Post-Soviet Affairs, Eurasian Geography and Economics, Post-Communist Economies, Russian Politics, Problems of Post-Communism und Communist and Post-Communist Studies). Die Forschungsprojekte der Abteilung wurden u.a. von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.

Adresse
Garystraße 55
Raum 222
14195 Berlin
Se­kre­ta­ri­at
Nataliya Butrimova
Fax
+49 (0)30 838-53616
Zur Website des Otto-Suhr-Instituts für Politikwissenschaft