Das Meer der beweglichen Grenzen: 25 Jahre nach dem Ende des Ost-West-Konflikts

In der jüngeren Zeitgeschichte war das Schwarze Meer ein toter Raum zwischen den westlichen und östlichen Machtblöcken des Kalten Kriegs. Hier verliefen die Grenzen zwischen den Militärblöcken, etwa zwischen dem NATO-Mitglied Türkei und dem sowjetischen Georgien oder dem sozialistischen Rumänien. Als diese Grenzen in den 1990er Jahren durchlässig wurden, entwickelte sich das Schwarze Meer wieder zu einer intensiven Zone kultureller, sozialer und politischer Verbindungen (zum Beispiel zwischen christlich und muslimisch geprägten Kulturen oder mit der Gründung der Organisation of the Black Sea Economic Cooperation), aber auch neuer Nationalismen und Regionalismen. Schließlich liegt das Schwarze Meer heute im geopolitischen Epizentrum neuer kriegerischer Konflikte (man denke nur an die immense Bedeutung der Schwarzmeerküste und der Krim im aktuellen Ukrainekonflikt). 25 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs befindet sich die Region weiterhin im Wandel. Die einzelnen Staaten durchlaufen einen Selbstfindungsprozess zwischen Demokratisierung, möglicher EU-Mitgliedschaft oder einer Abgrenzung zu der gesamteuropäischen Institution und ihren Mitgliedsstaaten.

Die Projekte des Projektseminars 2015/16 haben die Region auf verschiedene Weise beleuchtet: