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Putting the Empire to Music. The Phenomenon of Vocal-Instrumental Ensembles (VIA)

23.11.2021

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APPARATUS No. 13 (2021). DOI: https://doi.org/10.17892/app.2021.00013

Special Issue mit Artikeln von Irine Beridze (FU), Manuel Ghilarducci (HU), Clemens Günther (FU) und Christiane Schäfer (FU). Herausgegeben von Clemens Günther und Christiane Schäfer

In der gesamten Sowjetunion, von Belarus bis Zentralasien, von Moskau bis Georgien, spielte das VIA-Phänomen (Vokal'no instrumental'nyi ansambl', dt. „vokal-instrumentales Ensemble“) eine zentrale Rolle für die populäre Musik und Kultur. Bisher hat es allerdings international keine nennenswerte wissenschaftliche Aufmerksamkeit erfahren und bleibt größtenteils unerforscht. Das Anliegen dieser Special Issue des Journals Apparatus ist es, dieses Feld erstmals in den Fokus zu rücken und das VIA-Phänomen als interdisziplinäres Forschungsgebiet zu etablieren. Mit einer thematischen Einleitung und drei Artikeln beleuchtet Putting the Empire to Music den Bereich der spätsowjetischen Populärkultur und Kulturpolitik, ihre internationalen Einflüsse und Verbindungen, sowie Kanonisierungs- wie Suversionsstrategien.

Als Label bezeichnet VIA musikalische Acts, die sich von anderen Musikrichtungen und Subkulturen (Barden, Punk, Rock und Jazz) deutlich unterscheiden, und wurde Anfang der 1960er Jahre von den sowjetischen Behörden gefördert, um dem wachsenden Einfluss der westlichen Popmusik auf die Sowjetunion zu begegnen. In der Breschnew-Ära, der sogenannten Epoche der Stagnation, blühten die VIAs auf. Durch ihre Auftritte bei Festivals in der Sowjetunion und im Ausland, auf speziellen Vergnügungsschiffen und im staatlichen Fernsehen wurden die VIAs zu einem genuinen spätsowjetischen Musikphänomen, das über eine einfache Anpassung oder ‚Indigenisierung‘ westlicher musikalischer, ästhetischer und lyrischer Mittel hinausging. Auch durch ihre Verarbeitung von traditionellen musikalischen oder ästhetischen Formen (Melodie- und Harmonieführung, Liedgut oder Volkstrachten) hatten VIAs großen Einfluss auf regionale, nationale und multinationale Identitätskonzepte und prägen das sowjetische und postsowjetische kollektive Gedächtnis nachhaltig.