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Paradoxe Partizipationen

Kurzfassung der Dissertationsschrift:

Paradoxe Partizipationen.

Positionen der 'Tartu-Moskauer kultursemiotischen Schule' und die russischen Post-Moderne

Salzburg 2002, 319 S.

(Drucklegung in Vorbereitung)

 

Die Dissertation setzt sich mit der kulturtheoretischen und kulturphilosphischen Bedeutung der “Tartu-Moskauer kultursemiotischen Schule” aus der Perspektive der postmodernen und poststrukuralistischen Theoriebildung auseinander.

Methodisch wurde hierzu eine dekonstruktive Relektuere wesentlicher Schluesseltexte der kultursemiotischen Schule, mit Fokus auf die Schriften Jurij Lotmans (1922-1993), angewandt. Dabei wurden Theoreme und Ergebnisse aus der slawistischen Moderne- und Postmoderneforschung ebenso beruecksichtigt, wie Positionen des franzoesischen Poststrukturalismus.

Aus den durchgefuehrten Analysen geht deutlich hervor, dass die Kultur- und Kunstmodelle der kultursemiotischen Schule ein explizites Gegenmodell zur offiziellen Sowjetkultur darstellen. Hieraus erschliesst sich ein klar symbolisch orientierter Zeichenbegriff, eine transzendentale Textkonzeption und schliesslich eine normativ transitive Aesthetik: Kunst und Kultur repraesentieren ein ueberindividuelles Bewusstsein, welches in der darin angelegten umgekehrten Perspektive eine potenzielle Reversibilitaet des objektiven Zeitverlaufs, der unterbrochenen Entwicklungen und schliesslich eine regressive Subversion des objektiven Kulturraumes indiziert.

Fuer die Frage nach dem Wesen der russischen Post-Moderne konnte damit festgestellt werden, dass deren Partizipation, sowohl an den Idealkonstruktionen der kultursemiotischen Schule wie auch an der sowjetisch-russischen Kultur paradoxalen Charakter hat: Sie gehoert der ‚inneren Dialektik‘ dieser Konstellation zwar an, positioniert sich dazu aber in signifikant intransitiver Weise. Fuer sie kann, in konkret kuenstlerischer wie in theoretischer Form, ein konstitutives Ueberschreiten der Auszengrenzen festgestellt werden. Waehrend die Kultursemiotik den Akzent auf das vollkommen Unvollendete legt, wird fuer die Postmoderne das Ende, hier insbesondere die Bruchstellen der Vorgeschichte durch die totalitaere Sowjetkultur zur Voraus-Setzung.

Da somit auch fuer die kultursemiotischen Theoriemodelle – ex negativo – eine Partizipation an der Post-Moderne anzunehmen ist, wird die titelgebende Praegung “paradoxe Partizipationen” zu einem deskriptiven Kriterium, welches nicht zuletzt auf das Paradoxon als Wesen des Kuenstlerischen und Kulturellen schlechthin verweist.

Damit ist auch fuer die russische Postmoderne festzuhalten, dass kultureller Pluralismus, als Nebeneinander des Vielen und Unvereinbaren, nicht auf den kulturtheoretischen Konsens hinauslaufen kann.