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Russian Ecospheres. Forms of Ecological Knowledge in Russian Literature, Culture and History

Siberia blanketed in smoke, contains modified Copernicus Sentinel data (2016), processed by ESA, CC BY-SA 3.0 IGO

Siberia blanketed in smoke, contains modified Copernicus Sentinel data (2016), processed by ESA, CC BY-SA 3.0 IGO

Das internationale DFG-Netzwerk „Russian Ecospheres. Forms of Ecological Knowledge in Russian Literature, Culture and History“ nimmt im Juni 2022 seine Arbeit auf. Erforscht werden Formen ökologischen Wissens in Russland aus literatur-, und kulturwissenschaftlicher sowie (wissenschafts-)historischer Perspektive.

Ökologische Fragen sind im 21. Jahrhundert ein zentrales Thema in Politik, Gesellschaft und Kultur. In der russischen Kultur und Wissenschaft haben sie eine lange und wechselhafte Entwicklung hinter sich, die im Sinne eines kulturtheoretisch informierten Ecocriticism bisher nur in Ansätzen erforscht wurde. Das internationale DFG-Netzwerk „Russian Ecospheres. Forms of Ecological Knowledge in Russian Literature, Culture and History“ setzt sich zum Ziel, Forschende aus Slavistik, Osteuropa- und Wissenschaftsgeschichte zu einer interdisziplinären Erforschung ökologischer Theorien und Praktiken im russischen Imperium und in der Sowjetunion zusammenzubringen. Es versammelt 15 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus Europa und Nordamerika, die auf Tagungen und Workshops ökologische Fragestellungen in der russischen und sowjetischen Geschichte vom 18. bis zum 21. Jahrhundert erforschen und in Publikationen einem breiten Publikum zugänglich machen möchten.

Unter dem Begriff „Ecospheres“ verstehen wir verschiedene Sphären ökologischen Wissens zwischen naturwissenschaftlichen Disziplinen, (wissens-)geschichtlichen Konstellationen und literarisch-künstlerischen Formen, die im Netzwerk in ihren vielfältigen historischen Wechselbeziehungen profiliert werden. Der Begriff der Sphäre als einer zwischen innen und außen durchlässigen Struktur wird dabei als paradigmatisches Konzept zwischen naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Fragestellungen verstanden (z.B. in Vladimir Vernadskijs Bio- und Noosphäre, Michail Bachtins Logosphäre, Jurij Lotmans Semiosphäre). Das Netzwerk untersucht ökologische Diskurse in naturwissenschaftlichen Forschungsfeldern (Bodenwissenschaft, Klimatologie, Agrarwissenschaften, Hydrologie, Biologie, Geologie, Mineralogie), in (Religions-)Philosophie, Literatur- und Kulturtheorie, Bio- und Ökosemiotik. Dabei werden insbesondere geographisch und geopolitisch spezifische Topoi (z.B. Arktis, Wüste, Boden, Wald) sowie Anknüpfungspunkte an kulturelle und politische Debatten (etwa Posthumanismus und Anthropozän) in den Blick genommen. Ziel ist es einerseits, die bisher meist katastrophisch grundierte Ökologieforschung über Russland zu pluralisieren, andererseits, langfristig wirksame konzeptuelle und institutionelle Prägungen ökologischer Identitäten in der Region zu identifizieren.