Zwischen Utopie und Schrecken – Atomstädte in der späten Sowjetunion. Filmvorführung und Präsentation einer Forschung.

07.02.2017 | 14:15
Die Nutzung des friedlichen Atoms zählt zu den wichtigsten Großprojekten der späten Sowjetunion. Ab den 1950er Jahren wurden in der gesamten Sowjetunion sogenannte Atomstädte errichtet, in denen die utopischen Träume von einem besseren Leben Gestalt annehmen sollten. Die Geschichte jener Atomstädte wird heutzutage durch die Katastrophe in Černobyl überdeckt. Doch wie sah der Alltag in diesen Städten aus? Wie wurden sie inszeniert? Und in welchem Zusammenhang stehen sie mit der Geschichte der Großprojekte und der Geschichte utopischen Denkens in der UdSSR?

Die Veranstaltung nähert sich diesen Fragen aus zwei Perspektiven. Der ukrainische Film Atomopolis. Assembling Utopia wurde 2016 vom Dovzhenko-Institut in Kiev auf Basis von Film- und TV-Aufnahmen aus den Jahren 1970-1986 erstellt und stellt ein einzigartiges Dokument für die utopischen Hoffnungen und Inszenierungen der Atomstädte in der Ukraine dar. Der Film, der federführend von Stanislav Mendzelevskij erstellt wurde, wird im Rahmen der Veranstaltung in einer Deutschlandpremiere gezeigt.

Anschließend präsentiert Zinaida Vasilyeva, die gegenwärtig am Leibniz-Institut für Länderkunde in Leipzig forscht, ihre Forschung zum Thema "Temporalities and Spatialities of the Post-Soviet infrastructures“: über die Atomstadt Obninsk, in der in den 1950er Jahren das erste kommerzielle Kernkraftwerk der Sowjetunion entstand. Vasilyeva stellt die Ergebnisse ihrer Feldforschung in Obninsk vor und wird in ihrer Präsentation vor allem auf den Alltag und die Rolle der Kunst in der Atomstadt eingehen.

Der Besuch der Veranstaltung ist kostenlos. Alle Interessierten sind herzlich willkommen und können gerne auch noch an der anschließenden Seminarsitzung teilnehmen, die sich mit Svjatlana Aleksievič Černobyl-Darstelltung beschäftigt.

Zeit & Ort

07.02.2017 | 14:15

Hörsaal 302a,
Garystraße 55, 14195 Berlin

Weitere Informationen

Konzeption: Clemens Günther

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