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Veranstaltung: Das revolutionäre Momentum – Wandel und/als Beschleunigung in Osteuropa

Die lange Nacht der Revolution

Die lange Nacht der Revolution

Am historischen Abend des 07. November 2017 – 100 Jahre nach dem „Sturm auf das Winterpalais“ – hatte die Kulturabteilung des OEI in Kooperation mit der UdK Berlin zur Nacht der Revolution geladen.

News vom 08.11.2017

Im Zentrum der Veranstaltung standen Wandlungs- und Beschleunigungsprozesse im osteuropäischen Raum, die sich durch eine revolutionäre Dynamik auszeichnen. Das Ziel war dabei, das „revolutionäre Momentum“ auszumachen, durch das so disparate Ereignisse wie die Oktoberrevolution 1917 in Russland, die rumänische Revolution 1989 und die ukrainische Maidan-Revolution 2014 miteinander in Beziehung gesetzt werden können. Das revolutionäre Momentum, zeigt sich dabei, so die Ausgangshypothese, besonders prägnant im Medium des Films, der bereits den Revolutionsfunken der Oktoberrevolution 1917 (Agitdampfer „Roter Stern“) verbreitete und uns auch an revolutionären Ereignissen der jüngeren Vergangenheit teilhaben lässt. Die Veranstaltung beleuchtete die Frage, was genau das revolutionäre Momentum im Film bedeuten kann und wie dieses filmisch dargestellt wird.

Artawasd Pelešjans „Načalo“ („Der Anfang“, 1967) widmet sich den großen revolutionären Prozessen sozialer Umgestaltung und ihrer Ursachen und Folgen. Er basiert auf einer Verkettung historisch-archivarischer Filmdokumente und ist ein audiovisuelles Dokument, das mittels der eingesetzten Distanzmontage eine revolutionäre Dynamik entwickelt. Harun Farockis und Andrej Ujicas Dokumentarfilm „Videogramme einer Revolution“ (1992) lässt durch seine innovative Schnitttechnik dokumentarischer Archivmaterialien zu den Ereignissen rund um den Sturz Ceaușescus 1989 mehrere Perspektiven auf dieses für die rumänische Geschichte so folgenreiche Ereignis zu. Die Medienkünstlerin Magdalena Kallenberger fokussierte sich in ihrer Einführung auf die Effekte der Livekameras auf das Verhalten der revolutionierenden Masse, die sich besonders in der eindrücklichen Episode rund um die Besetzung des wichtigsten rumänischen Fernsehsenders damals zeigten. Zum Schluss wurde Sergej Loznicas Film „Maidan“ (2014) gezeigt, der die ukrainische ‘Revolution der Würde’ dokumentiert. Die Autorin Kateryna Mishchenko nahm selbst am Maidan teil und wies darauf hin, dass die emanzipatorische Sprache der Revolution und die gemeinschaftlich erlangte Freiheit verdrängt werden, sobald Aktionen in Gewalt und Krieg umschlagen und nur Täter und Opfer bleiben.  

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