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Jenseits des Kriegsprinzips

Jenseits des Kriegsprinzips (Veranstaltungsfoto)

Jenseits des Kriegsprinzips (Veranstaltungsfoto)
Bildquelle: Christian Steinau

Angesichts der politischen Entwicklungen seit dem Ausbruch des Konflikts in der Ukraine hat die Militarisierung der russischen Gesellschaft eine neue Stufe erreicht. Es scheint fast so, als ob sich die postsowjetische Gesellschaft nur noch mittels der kriegerischen Externalisierung verdrängter historischer Traumata und ignorierter sozialer und kultureller Probleme stabilisieren könnte. Die Frage, welche künstlerischen Positionen und Antworten im Hinblick auf diese bellizistische Entwicklung möglich sind, stand im Zentrum der Veranstaltung „Jenseits des Kriegsprinzips“, die am 20.06. in der Ruine der Künste in Berlin Dahlem stattfand.

News vom 07.07.2017

Gleb Napreenko blickte in seinem Beitrag auf das Verhältnis von Krieg und Avantgarde in der frühen Sowjetunion. Er fokussierte dabei auf die Dialektik von De- und Re-Militarisierung, die für die Transformation avantgardistischer Möglichkeitsräume in die destruktiven Dynamiken der „dunklen Moderne“ des Stalinismus charakteristisch ist. Auch im Beitrag Igor Gulins fand sich der Bezug zu durch Kriegsdiskurse ausgelöste Transformationen. Der krisenhafte Kriegszustand führt seiner Ansicht nach zu einer gesellschaftlichen und poetischen Fragmentierung, deren Genese und Signifikanz er an einem persönlichen Text, der nach der Annexion der Krim entstand, reflektierte und diskutierte. Yevgenia Belorusets analysierte in ihrem Beitrag, welche Formen der Positionierung angesichts eines mittlerweile auch in der Ukraine chronisch gewordenen Ausnahmezustands noch möglich sind.

Die Veranstaltung schloss hervorragend an viele im Rahmen des Seminars „Schlachtfeld Osteuropa – Kriege im Spiegel der Kunst“ diskutierte Aspekte an und brachte junge und mutige Stimmen aus der Ukraine und Russland zu Gehör, die sich der Kriegslogik nicht beugen möchten.

 

Verantwortlich: Clemens Günther, Elena Vogman

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