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Die Leningrader Blockade im narrativen und medialen Gedächtnis

(31705)

TypSeminar
SpracheDeutsch
RaumGarystr. 55 323
Beginn13.10.2014
Ende09.02.2015
Zeit

Mo 16:00-18:00

"Überlebt haben die, die andere retten wollen", erinnerte der russische Schriftsteller Daniil Granin Anfang des Jahres in seiner Rede vor dem deutschen Bundestag anlässlich des Gedenkens an das Ende der Blockade Leningrads im Januar 1944. Granins Rede zeigte, dass die fast dreijährige Belagerung der Stadt durch die deutsche Wehrmacht in westeuropäischen Kriegserinnerungen kaum präsent ist, in Russland hingegen bis heute von zahlreichen Mythen des Überlebenskampfes und Tabus belegt ist. Ausgehend von den historischen Fakten der Belagerung Leningrads widmet sich das Seminar zunächst dokumentarischen und fiktionalen Texten von Überlebenden der Blockade (wie etwa dem "Blockadebuch" von Granin und Ales Adamovi? u.a.). In diachroner Perspektive sollen dann unterschiedliche narrative und mediale Darstellungs- und Erzählmuster über Mythos und Alltag der belagerten Stadt untersucht und Veränderungen der Repräsentationsformen in Literatur und Film herausgearbeitet werden. Wie wurde während der Blockadejahre über existentielle Ausnahmezuständen, über Kriegs- und Traumaerfahrungen reflektiert, wie darüber in der Nachkriegszeit, in der sowjetischen Ära, der postsowjetischen Ära und in der Gegenwart erzählt und erinnert? Zentral sind zudem folgende Fragen: Welche Themen und Motive sind im Blockadediskurs vorherrschend? Wie artikuliert sich die Spannung zwischen persönlicher Erinnerung und kollektivem Gedächtnis? Welche Strategien der Authentisierung und Imaginisierung dominieren die untersuchten Werke? In welchem Verhältnis stehen fiktionale und dokumentarische Erzählmuster sowie narrative und mediale Repräsentationsformen zueinander? Im Seminar werden ausgewählte russischsprachige Text- und Filmbeispiele der genannten Epochen untersucht (für Studierende ohne Russischkenntnisse in dt. Übersetzung bzw. mit Synchronfassung). Außerdem werden deutsch- und englischsprachige Werke vergleichend herangezogen.

Zur Mediothek des Osteuropainstituts