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Auf der Suche nach den Prager Autorinnen Milena Jesenská und Jana Černá

(31705)

TypKurs - Modul E
Dozent/inNatascha Drubek
RaumGarystr.55/121 Seminarraum
Zeit

Do 12 - 14 Uhr

Werke und Biographien weiblicher Autorinnen sind oft nur fragmentarisch überliefert. Oftmals können wir sie nur aus dem besser dokumentierten Leben der Männer an ihrer Seite rekonstruieren – oder der Texte, die sie den Frauen widmeten. Im Fall der tschechischen Schriftstellerin und Journalistin Milena Jesenská (1896-1944) sind zahlreiche ihrer Schriften – und gerade die, die am meisten interessieren würden – verlorengegangen: der gründliche Kafka hat ihre Briefe verbrannt, sodass nur seine eigene sehnsüchtigen „Briefe an Milena“ erhalten sind, und auch Jesenskás Aufzeichnungen aus dem KZ Ravensbrück konnten nicht gerettet werden.  Ähnlich steht es um ihre Tochter, die Dichterin Jana (Honza) Krejcarová (1928-1981), die u.a. unter dem Namen Černá publizierte und in der tschechischen Literaturgeschichte bis heute v.a. über die Beziehung zu ihren Lebenspartnern definiert wird. Unlängst wurde über sie und den Dichter Egon Bondy ein Film gedreht: 3 sezóny v pekle (Drei Jahreszeiten in der Hölle, 2009).  Černá war nach dem Krieg maßgeblich an der Prager Untergrund-Kultur (totaler Realismus, Edition Mitternacht) beteiligt und verfasste unter dem Pseudonym Sarah Silberstein einen Text für den ersten tschechischen Samizdat, die Anthologie Židovská jména (Jüdische Namen, 1949). Im Jahr 1980 schrieb sie einen erotischen „Brieftraktat“: Clarissa. Bekannt wurde sie in erster Linie aufgrund der Ende der 1960er Jahre verfassten Biographie ihrer Mutter Adresát Milena Jesenská (dt. Milena Jesenská). In dem Seminar werden wir den Texten und den Biographien dieser beiden aussergewöhnlichen Tschechinnen nachgehen, was zugleich bedeutet, einen Streifzug durch die tschechische Geschichte und Kultur des 20. Jahrhunderts zu unternehmen.

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