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Roots and Routes: Reisen im neuen Europa

(31703)

TypKurs
SpracheDeutsch
RaumGarystr. 55 301
Beginn17.04.2014
Ende17.07.2014
Zeit

Do 14:00-16:00

Im Seminar sollen kulturtheoretische Diskussion und literarische Textlektüre miteinander verbunden werden. Im Kontext von semiotisch und diskursgeschichtlich geprägter Kulturtheorie und zusätzlich beeinflusst von den Postcolonial Studies etablierte sich in Geschichts- und Kulturwissenschaften ein Begriff des Raums als einer politisch, sozial und symbolisch determinierten und veränderbaren Ordnung. Wie Erzählungen, von den antiken Mythen bis zum zeitgenössischen Roman und Film, solche Raumordnungen symbolisch repräsentieren und zugleich rekonfigurieren, und wie sehr ihre Handlungs- und Perspektivstrukturen selbst räumlich definiert sind, ist Gegenstand literaturwissenschaftlicher Forschungen. "Roots and Routes" (James Clifford): der Titel des Seminars soll die Alternative zwischen esssentialistischen, auf territorialen Identitäten gründenden Raumvorstellungen und offenen, transitorischen, der Bewegung unterworfenen und in der Bewegung er-fahrenen Raumvorstellungen akzentuieren. Literarische Erzählungen und Romane aus dem postsozialistischen Osteuropa (und aus dem ‚Westen' in das postsozialistische Osteuropa) sollen darauf hin untersucht werden, inwiefern sich in ihnen solche Rekonfigurationen großer und kleiner Raumordnungen niederschlagen. Zugrunde liegt die Hypothese, dass sich in der Literatur Raumvorstellungen nicht nur passiv widerspiegeln, sondern dass literarisches Erzählen selbst rekonfiguratives Potential hat, dass sich hier ein eigenes und autonomes Raumwissen formuliert. Neuere Konzepte der "Geopoetik" und der "Poetik der Migration" thematisieren diese Frage. Besonders in Sujets der Reise, des Durchfahrens, Wieder- und Neubefahrens von Räumen, sei es im mikroregionalen Maßstab einzelner Städte oder Provinzen, sei es im makroregionalen Maßstab transnationaler Routen, entstehen die neuen Erzählräume. Im Seminar werden u. a. Texte von Jonathan S. Foer, Andrzej Stasiuk, Aleksandar Hamon, Serhij Zhadan, Jurij Andruchowytsch, Sybille Lewitscharow, Miljenko Jergowitsch, Dorota Maslowska, Marcel Beyer, Marius Ivaskievi?ius und Esther Kinsky gelesen

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