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Gedächtnisse in Bewegung

(31706)

TypOnline-Seminar
Dozent/inIrine Beridze (OEI) & Dr. Ulrike Schneider (Universität Potsdam)
RaumGarystr.55 / 121 Seminarraum
Beginn24.04.2020 | 12:00

Der literarische Diskurs wurde in den letzten Jahren durch die Autor*innen der sogenannten Migrationsliteratur deutlich erweitert. Die Romane, die diverse kulturelle Kontexte aus den mittel- und osteuropäischen Ländern, aus dem Balkan oder aus dem Kaukasus in deutscher Sprache behandeln, eröffnen neue Perspektiven. Parallel dazu lässt sich eine klare Sensibilisierung und Öffnung des Literaturbetriebs (Literaturpreise, Feuilletons, Verlage, Buchmessen und Literaturhäuser) beobachten. 

Im Zentrum des Seminars steht die Literatur der Migration, die aus slavistischer und germanistischer Perspektive mit intensiver textanalytischer Arbeit behandelt wird. Die Grundlage bilden Romane, die in den letzten zehn Jahren veröffentlicht und breit rezipiert wurden, wie Katja Petrowskajas „Vielleicht Esther“ (2014), Sasha Marianna Salzmanns „Außer sich“ (2017), Nino Haratischwilis „Das achte Leben. Für Brilka“ (2014), Dmitrij Kapitelmans „Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters“ (2016) oder Saša Stanišić‘ „Herkunft“ (2019).
Den Aspekten des literarischen Transfers und der Aktualisierung von Erinnerung in unterschiedlichen neuen Kontexten wird besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Der Frage, wie diese Transferprozesse von (Familien)-Gedächtnissen in den Romanen ästhetisch, poetologisch und diskursiv gestaltet werden, wird im Seminar nachgegangen.

Hinweis: Seminarmodus

Das von Irine Beridze (FU/OEI) und Dr. Ulrike Schneider (UP) geleitete Seminar wird zwischen den beiden Universitäten als ein Kooperationsseminar durchgeführt. Dabei wird  großer Wert darauf gelegt, die Potsdamer und Berliner Studierende für eine gemeinsame Diskussion über die Gegenwartsliteratur zusammen zu bringen. Die ursprünglich geplante räumliche Bewegung zwischen den beiden Universitätsstandorten musste inzwischen zugunsten der Online-Lehre aufgegeben werden. Was uns aber weiterhin erhalten bleibt, ist der ausgewählte Textkorpus, der uns mit den Migrationsromanen unterschiedliche Bewegungsformen durch Kulturen, Raum und Zeit oder auch Sprache eindrücklich vorführt. 

Das Lehren und Lernen im Onlinemodus kann die klassische Seminarsituation mit ihrer Unmittelbarkeit und aktiven Diskussionsmöglichkeit nicht ersetzten. Trotzdem möchten wir in unserem Seminar die vielfältigen technischen Möglichkeiten, seien es die Blackboard/Moodle, Videokonferenzen via Zoom, Diskussionsforen, u.a. intensiv nutzten, um über den komplexen Seminarinhalten mit Ihnen ins Gespräch zu kommen, aber auch ein Gespräch unter den Studierenden zu ermöglichen. Als eine zentrale Plattform werden wir die Potsdamer Moodle nutzten, für die die FU-Angehörigen einen Gastzugang erhalten werden. 

Die Leistungserbringung stellen wir uns konkret so vor:
Für die einführenden Sitzungen, die zum größten Teil theoretisch ausgerichtet sind, sollen von allen Seminarteilnehmer*innen schriftliche Stellungnahme zu ausgewählten  Texten der Sekundärliteratur eingereicht werden. Die Lektüreexzerpte sollten eine A4 Seite umfassen. Im weiteren Verlauf des Seminars kommt noch ein Rechercheauftrag zu Institutionen und Strukturen des Literaturbetriebs an alle Teilnehmer*innen hinzu, der im Video-Seminar (Videokonferenz mit allen Teilnehmer*innen) präsentiert und von den Kommiliton*innen und Dozentinnen kommentiert wird. 

Nach den einführenden Sitzungen werden wir uns mit den Primärtexten befassen, zu denen Sie in Arbeitsgruppen in unterschiedlichen Formaten wie Rezensionen,  kürzeren Textanalysen, Fragen/Thesen zu den Texten, theoretischen Bezugnahmen Stellung nehmen. Ergänzend zu den Texten aus der Pflichtlektüre, werden wir Sie mit einer Auswahl an Aufsätzen unterstützen, die die Forschungsliteratur kontextualisieren und diskursiv einordnen.
Alle Sitzungen und thematische Blöcke werden durch einführende Erläuterungen, Kontextualisierungen, vertiefende Reflexionen zum theoretischen Fundament des Seminars u.a. ergänzt und Ihnen in Form eines Handouts oder eines Videobeitrags (in einem Vortragsformat) zur Verfügung gestellt. 

Leistungserbringung 

Möglichkeiten:  

  • Exzerpte Forschungsliteratur (zweite Sitzung, zwei  Texte á eine A4 Seite) 

  • Rechercheauftrag Institutionen/Strukturen Literaturbetrieb (Vorstellung im Seminar zweite Sitzung + Abgabe Ergebnisse eine A4 Seite) 

  • Rezension / Textanalyse / Lektüreeindruck + Fragen (je zwei Primärtexte)  

  • Kontextualisierung Forschungsliteratur + Primärtext 

 3LP (MA) 

Einführende Literatur: Auswahl

  • Aydemir, Fatma; Yaghoobifarah, Hengameh (Hg.) (2019): Eure Heimat ist unser Albtraum. Ullstein fünf.
  • Czollek, Max (2018): Desintegriert Euch! Carl Hanser Verlag. 
  • Damrosch, David (Hg.) (2014): World Literature in Theory. Wiley Blackwell.
  • Erll, Astrid (2017): Kollektives Gedächtnis und Erinnerungskulturen. Eine Einführung. Stuttgart: J. B. Metzler. 
  • Ette, Ottmar (2017): WeltFraktale. Wege durch die Literaturen der Welt. J.B. Metzler.
  • Hausbacher, Eva (2009): Poetik der Migration. Transnationale Schreibweisen in der zeitgenössischen russischen Literatur. Tübingen: Stauffenburg Verlag. 
  • Hitzke, Diana, Finkelstein, Miriam (Hg.) (2018): Slavische Literaturen der Gegenwart als Weltliteratur – Hybride Konstellationen. Innsbruck university press.
  • Langenohl, Andreas; Poole, Ralph J.; Weinberg, Manfred (Hg.) (2015): Transkulturalität. Klassische Texte. Bielefeld: Transcript Verlag. 




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