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Februar 2026

Sátántangó / Satanstango (1994) von Béla Tarr

Filmstill

Filmstill

Regie: Béla Tarr
Genre
: Spielfilm
Jahr: 1994
Sprachfassung: Original mit englischen Untertiteln
Dauer: 450 Minuten
Verfügbar bis: Dauerhaft

Hier geht es zum Stream.

Synopsis:

Eine Parabel über das Versagen von Ideologien, über Indoktrination und Manipulation, über politische Hörigkeit und Spitzelwesen, über die Macht von Worten und das Unglück der Zeit. Sátántangó, zu Deutsch Satanstango, heißt das wohl berühmteste Werk des im Januar aus dem Leben geschiedenen ungarischen Regisseurs Béla Tarr. Es basiert auf dem gleichnamigen Roman László Krasznahorkais, der im vergangenen Jahr den Literatur-Nobelpreis verliehen bekommen hat. Der Film dreht sich um ein halbverlassenes Dorf in der ungarischen Tiefebene, das von Armut und Perspektivlosigkeit geprägt ist und in der Trostlosigkeit eines verregneten Oktobers versinkt. Doch dann versetzt die Ankündigung der Rückkehr Irimias, eines ehemaligen Dorfbewohners mit dem Charisma eines Propheten, den Ort in plötzliche Euphorie. Auch wenn die Anwohner wissen, dass sie geradewegs in ein Unglück rennen, können sie sich der Kraft seiner Verheißung nicht entziehen. Irimias jedoch ist ein Gaukler, seinerseits den Zwängen eines übermächtigen Systems ausgeliefert, der Spitzeldienste für die Polizei verrichtet. Alle Warnzeichen ignorierend, tanzen die Bewohner zur Feier ihrer bevorstehenden Erlösung in der Dorfkneipe einen höllischen Tango.

Vierhundertfünzig Minuten ist dieses komplett in schwarz-weiß gehaltene Werk lang. Susan Sontag, für die Krasznahorkai ein „Meister der Apokalypse“ war, wäre trotzdem glücklich gewesen, den Film „jedes Jahr für den Rest ihres Lebens zu schauen“. Aus zwölf Teilen bestehend, lässt er sich allerdings auch Kapitel für Kapitel sehen. Mit englischen Untertiteln ist „Satanstango“ auf archive.org verfügbar, zusammen mit weiteren Filmen Tarrs.

Zum Regisseur:

Béla Tarr unternahm seine ersten Versuche als Amateurfilmer im Alter von 16 Jahren und zog so die Aufmerksamkeit des ungarischen Béla-Balász-Studios auf sich. Später studierte er an der Hochschule für Film und Theater in Budapest. Bekannt ist er für seine langen Kameraeinstellungen – Satanstango beginnt mit einer achtminütigen, über hundert Meter langen Kamerafahrt, die eine Kuhherde auf dem Weg durch das heruntergekommene Dorf zeigt. Ab 1988 entstanden seine Filme in Zusammenarbeit mit Krasznahorkai, darunter unter anderem „Die Werckmeisterschen Harmonien“ (2000). 2013 begann Tarr, an der Sarajevo Film School im Rahmen der von ihm mitbegründeten „Film Factory“ zu unterrichten. Am 6. Januar 2026 verstarb er im Alter von 70 Jahren.

Weitere Informationen:

– Filmkritiker Kevin B. Lee hat Satanstango auf dem Mubi-Youtube-Kanal einen Filmessay gewidmet.

– Deutschlandfunk Kultur stellt Krasznahorkais Literatur in einem halbstündigen Porträt vor.

– Das British Film Institute hat Béla Tarr zuletzt 2024 interviewt, unter anderem zu Satanstango.

Mehr Informationen zu den Filmen der letzten Monate finden Sie auf der Website der OEI Mediothek.