Drittmittelprojekt: Erinnerung und Identität in der Kaschubei

Kaschubei (Foto: R. Borchers)

Kaschubei (Foto: R. Borchers)

Drittmittelprojekt: Erinnerung und Identität in der Kaschubei (2011-2013)

 Gegenstand des Projektes ist die Konstruktion von Erinnerung und Identität in der Kaschubei im heutigen Polen. Die im nördlichen Polen gelegene Region wird dabei als multiethnischer Lebensraum von Polen, Kaschuben, Deutschen und Juden verstanden. Es wird von der These ausgegangen, dass in der Kaschubei sehr verschiedene Konstruktionen von Identitäten nebeneinander und miteinander existierten (und existieren), die sich gegenseitig stark beeinflussten, zum Teil in Abgrenzung zueinander entstanden und auf sehr unterschiedliche Bezugsrahmen referierten. Die Deutschen fühlten sich zwar in dem Raum verwurzelt und sahen ihn als deutsche Kulturlandschaft an, bezogen sich aber nicht auf den Topos Kaschubei. Die Polen betonten die Zugehörigkeit der Kaschubei zu Polen, verbanden die Region aber eher mit dem Begriff „Pomorze“ (Pomeranien). Die Kaschuben bemühten sich, eine kaschubische Identität zu schaffen, ohne eine eigene Nation bilden zu wollen. Die Identität der Juden war weniger an die Region gebunden.

 

Ziel des Projektes ist nicht, eine vermeintlich kaschubische Identität zu konstruieren, sondern die verschiedenen Identitäts- und Erinnerungsmuster in der Kaschubei zu analysieren. Die Region soll als Raum multiethnischen Zusammenlebens erforscht und als Analysekategorie in die deutsche und polnische Wissenschaft eingebracht werden. In Deutschland wird die Erinnerung an diese Region von den Landsmannschaften geprägt, die einseitig die deutsche Vergangenheit betonen und das Wechselverhältnis mit anderen Bewohnern – Polen, Kaschuben, Juden – vernachlässigen. In Polen fokussiert die Erinnerungs- und Forschungskultur auf die polnische Vergangenheit der Kaschubei, dem Beitrag der Deutschen wird wenig Beachtung geschenkt. In beiden Ländern spielen die multiethnische Vergangenheit und der Anteil der einzelnen Ethnien an der Entwicklung der Region nur eine randständige Rolle.

 

Das Projekt wird gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) im Rahmen des universitären Förderprogrammes „Erinnerung und Identität. Die Deutschen und ihre Nachbarn in Mittel- und Osteuropa“.

 

Die Projektwebseite befindet sich im Aufbau.

 

Projektpartner:

Dom Spotkań z Historią

Fundacja Ośrodka Karta

Herder-Institut

Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa

Zur Website des Friedrich-Meinicke-Instituts
Zentrum für Historische Forschung der Polnischen Akademie der Wissenschaften
Zur Website des Netzwerks Area Histories
Zur Mediothek des Osteuropainstituts