Globalisierter Sozialismus oder sozialistische Globalisierung? Die Verflechtung der Welt jenseits des Eisernen Vorhangs

Was haben Thabo Mbeki, Mahmud Abbas und Ali Khamenei gemeinsam? Sie alle studierten in Moskau. Mitglieder des heutigen vietnamesischen Kabinetts sprechen fließend russisch, polnisch, ungarisch oder beherrschen „ost-berlinerisch“. Mosambikanische Arbeitsmigrant*innen lebten in Sachsen, chinesische Zeitarbeiter*innen in Tirana, kubanische Fabrikarbeiter*innen in Ungarn etc. Bollywood und Nollywood füllten die Kinosäle Moskaus seit den 1960ern, während man in Westeuropa schon polyglott war, wenn man Hollywood kannte. Das leseintensive Seminar wird sich um eine Neubewertung der Globalisierung bemühen, die gerne als ein Siegeszug des neo-liberalen westlichen Modells beschrieben wird. Stattdessen soll es hier darum gehen, die Verflechtungen der sozialistischen Welt zu beleuchten, mit besonderem Augenmerk auf die Staaten des ehemaligen Ostblocks, allen voran die Sowjetunion. Es geht also um Kontaktzonen, die im Narrativ des Kalten Krieges nur selten auftauchen. An den Gegenständen Internationaler Handel, Arbeitsmigration, Studienaustausch, Tourismus und Diplomatie wird dieses Seminar versuchen, ein etwas anderes Licht auf die sozialistische Welt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts werfen.

Literaturhinweise:

Rupprecht, Tobias: Soviet Internationalism after Stalin: Interaction and Exchange between the USSR and Latin America during the Cold War, Cambridge 2015. Sanchez-Sibony, Oscar: Red Globalization. The Political Economy of the Soviet Cold War from Stalin to Khrushchev, New York 2014. Steiner, André: The Globalization Process and the Eastern Bloc Countries in the 1970s and 1980s, in: European Review of History 2 (2014), S. 165-181.

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TypSeminar
Dozent/inAlexandra Oberländer
RaumGarystr. 55 55/105
Beginn10.04.2019 | 14:00
Zur Website des Friedrich-Meinicke-Instituts
Zentrum für Historische Forschung der Polnischen Akademie der Wissenschaften
Zur Website des Netzwerks Area Histories
Zur Mediothek des Osteuropainstituts