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Johannes Czakai

Bild Czakai

Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin

Lehrstuhl für Geschichte Ostmitteleuropas

Doktorand

E-Mail
johannes.czakai[at]fu-berlin.de
Seit 2014

Doktorand an der Freien Universität Berlin

Arbeitstitel der Dissertation: „Leib Geizhals und Isidor Trompetenschleim. Die Namensannahme der preußischen und polnischen Juden 1784-1846 zwischen Fakten und Fiktion“

Betreuerin: Prof. Dr. Gertrud Pickhan

2013        

Besondere Auszeichnung der Magisterarbeit beim Wissenschaftlichen Förderpreis des Botschafters der Republik Polen

2012        

Magisterarbeit „Affengesicht und Muskatenblueth. Die österreichische Namenspolitik gegenüber den Juden im geteilten Polen 1784-1805“ 

Betreuer: Prof. Dr. Werner Bergmann

2007-2008               

Zwei Auslandssemester an der Jagiellonen-Universität Krakau, Polen

Bis 2013                    

Magister-Studium der Neueren Geschichte und Jüdischen Studien an der TU Berlin und der Universität Potsdam

 

                 

Dissertationsprojekt: „Leib Geizhals und Isidor Trompetenschleim. Die Namensannahme der preußischen und polnischen Juden 1784-1846 zwischen Fakten und Fiktion“

Deutsch

English

Abstract

Ende des 18. Jahrhunderts war das josephinische Habsburgerreich der erste Staat, der den Juden gebot, ihre traditionellen Namen abzustreifen und feste Vor- und Familienamen anzunehmen. Die meisten mitteleuropäischen Staaten folgten bald darauf und setzten ähnliche Gesetze in kurzer Zeit um. Das Land mit der größten jüdischen Bevölkerung - Polen - machte hingegen eine kompliziertere Entwicklung durch, denn infolge der polnischen Teilungen waren die hunderttausenden polnischen Juden den unterschiedlichen Gesetzen und Verordnungen Preußens, Österreichs und Russlands unterworfen worden. Daher stellt das Ereignis der Namensannahme einen langgezogenen heterogenen Prozess dar, der über 60 Jahre hinweg in verschiedenen Regionen von verschiedenen Herrschern durchgeführt wurde. Diese lange Epoche prägte Form, Aussehen und Klang jener Namen, die später als „typisch“ jüdisch gelten sollten und es für die Mehrheitsgesellschaft meist noch heute tun.

 

Umso mehr erstaunt es, dass dieser einschneidende Vorgang niemals eingehend wissenschaftlich untersucht wurde. Lediglich Legenden und Mythen diktieren unser Wissen, während Generationen von Forscher_innen bereits Bekanntes und auch Falsches ewig wiederholen. Wurden den Juden antisemitische Spottnamen auferlegt? Mussten sie „schöne“ Namen teuer erkaufen? Sollten ihre deutschen Namen einen Beitrag zur Germanisierung Polens leisten? Oder erfanden gar gelangweilte preußische Dichter einen Großteil von ihnen?

 

Mein Dissertationsprojekt will diese Fragen nun erstmals genauer analysieren. Aufbauend auf einem akribischen Studium archivalischer Quellen in Deutschland, Polen, der Ukraine und Österreich sollen die unterschiedlichen Namensgesetze, ihre Entstehung und Durchführung im jeweiligen Kontext untersucht und nachgezeichnet werden, um somit endlich eine fundierte Grundlagenforschung anbieten zu können. Des Weiteren soll die Rolle der Juden neu bewertet werden. Waren Sie bloße passive Objekte einer antijüdischen Politik oder gab es Gestaltungsspielraum, Kritik oder gar Widerstand? Ziel ist es, anhand regionaler Fallstudien ein komplexes Bild jener Vorgänge zu zeichnen.

 

Research Proposal: Leib Geizhals and Isidor Trompetenschleim. The Adoption of Names by Prussian and Polish Jews, 1784-1846, Between Facts and Fiction

Abstract

At the end of 18th century the Habsburg Empire under Joseph II was the first state demanding its Jewish subjects to adopt stable first and last names. Most Central European states followed and implemented similar laws shortly after. However, the state with the biggest Jewish population, Poland, had a different development. Due to the Polish Participations hundreds of thousands of Polish Jews were subjected to Prussian, Austrian, and Russian laws and regulations. Thus, the event of name adoption was rather fragmented and complex compared to other countries.

 

Surprisingly, there has not been any academic attempt to investigate the name adoption of Polish Jewry. Quite the contrary, legends and myths shape our knowledge until today while the limited known facts as well as many errors have been copied. Were anti-Semitic mocking names forced upon the Jews? Did they have to pay for 'beautiful' names? Were their German sounding surnames part of a strategy to Germanize Poland? Or were those names even created by annoyed Prussian poets?

 

My PhD project aims to analyze these questions for the first time. Based on intensive study of archival sources in Germany, Poland, Ukraine, and Austria, the various name laws, their emergence and execution will be examined and portrayed in their respective background in order to provide profound basic research. Furthermore, the role of Jews will be reappraised. Were they only passive subjects of an anti-Jewish policy or did they have scope for action, critique or even resistance? My aim is to display the complex events based on regional case studies.

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